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Freitag, 15. Dezember 2017
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Lieben und Streiten lernt man als Baby – nicht erst als Senior

 Lieben und Streiten lernt man als Baby   nicht erst als Senior

Foto: pixelio.de/Souza

Verhalten in Partnerschaft bereits in frühem Alter geprägt – das sollten die Großeltern wissen, wenn Sie ihre Enkelkinder „babysitten“.

Die Erfahrungen in den ersten 18 Lebensmonaten bestimmen in hoher Weise, wie sich Menschen in späteren Partnerbeziehungen verhalten. Vertrauen, Lieben und Konfliktlösen lernt man als Säugling, behaupten Forscher der University of Minnesota in der Zeitschrift “Current Directions in Psychological Science”. Die gute Nachricht: Sind die Bedingungen später günstig, können Folgen eines schwierigen Start ins Leben durchaus ausgeglichen werden, meinen die Experten zum Schluss.

Sicher oder defensiv

Lange bevor ein Kind zu sprechen beginnt und sich bewusst erinnern kann, prägen sich Erfahrungen tief ein und kodieren spätere Verhaltensweisen – etwa die Haltung, wie man von anderen behandelt wird oder ob man sich selbst würdig für Liebe und Zuneigung hält. Babys mit einem feinfühlig liebenden Umfeld sind sich des Wohlwollens der anderen später sicher. Hingegen gehen Menschen, die im Kleinkindalter misshandelt oder vernachlässigt wurden, später viel eher in Defensivhaltung und zeigen häufiger auffälliges Verhalten.

Zwar gilt das Konzept der frühkindlichen Prägung heute als bestätigt, der Langzeit-Nachweis gelang allerdings erst jetzt. 75 Kinder von sozial schlecht gestellten Müttern wurden von der Geburt bis nach dem 30. Lebensjahr begleitet und immer wieder untersucht. Als Babys versetzte man sie etwa in Gegenwart ihrer Mütter in Stress oder Fremdsituationen, um die Sicherheit der Bindung zu testen. Später ging es um emotionale und soziale Entwicklung, Leistung, Widerstandskraft und Verhalten gegenüber Mitschülern, Freunden und später auch Beziehungspartnern.

Chance nach Fehlstart

“Zwar ändern sich die frühen Haltungen durch neue Beziehungen, durch Selbstreflexion oder auch durch Therapie. Unter Stress kommen die alten Muster jedoch meist wieder hervor”, berichtet Studienautor Jeffry A. Simpson. Der stabile rote Faden zwischen Säuglings- und Erwachsenenalter war allerdings in vielen Biografien nur schwach sichtbar. “Wenn man sich der alten Modelle bewusst wird und einen vertrauenswürdigen, sicheren Partner findet, kann man das Alte revidieren und sein Verhalten neu ausrichten. Ein betrogenes Baby kann später treu werden, ein ungeliebtes kann Liebe lernen”, betont der Forscher.

pte

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