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Freitag, 24. November 2017
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Morgan, fahren mit allen Sinnen

P1010631 Morgan, fahren mit allen SinnenEng, hart, laut, anstrengend, Verzicht auf alle üblichen Assistenzsysteme – aber ein unvergessliches Erlebnis der besonderen Art.

Erstaunlich ist die Tatsache wie ein Morgan im Straßenbild wahrgenommen wird. Keine Neidgefühle kommen beim Betrachter auf, ganz im Gegenteil, es kommen Menschen jedes Alters auf einem zu und gratulieren zum schönen Auto. Kinder, erwachsene Männer und auch Frauen, verdrehen den Kopf um zumindest ein Stück Morgan zu sehen.

Zunächst etwas Morgan Geschichte

Morgan Automarken Logo 250x250 Morgan, fahren mit allen SinnenDie Morgan Motor Company ist ein britischer Autohersteller für Sportwagen in privater Hand. Das Unternehmen ist weltweit das einzige, das bei Automobilen noch Aufbauten mit Rahmen aus Eschenholz einsetzt, eine Fertigungstechnik, die noch aus dem Kutschwagenbau stammt.

Der Morgan 4/4 hält den Rekord als das am längsten durchgehend produzierte Automodell. Die sehr leichten und teils sehr starken Fahrzeuge von Morgan haben in einer großen Fangemeinde Kultstatus.

Das Unternehmen wurde 1909 von Harry Frederick Stanley Morgan in Malvern Link, einem Stadtteil von Malvern in der Grafschaft Worcestershire, West Midlands, gegründet. Nach dem Tod des Gründers 1959 übernahm dessen Sohn Peter die Geschäftsführung. Peter Morgan verstarb am 20. Oktober 2003. Sein Sohn Charles leitet seit 1999 die Geschicke der Firma.

2009 hat die Morgan Motor Company ihr 100-jähriges Jubiläum mit zahlreichen Veranstaltungen in Malvern Link und Cheltenham begangen.

Vorweg einige technische Daten des Morgan Roadster

Motor Ford 3,0 Liter V6 mit 231 PS (verbaut im Jaguar S-Type), ab Frühjahr 2012 wird der Roadster sogar mit einem 3,7 Liter V6 mit 280 PS ausgeliefert. Das Fahrzeuggewicht beträgt gerade einmal – je nach Ausstattung – um die 1.100 Kg. Beschleunigung von 0 – 100 km/h um die 4,9 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 216 km/h. Hinterradantrieb mit knochentrockenen 5-Ganggetriebe. Außenmaße: Länge 4010  Breite 1720 Höhe 1220 mm. Euro 4 Einstufung, aber eigentlich interessiert das alles echte Morgan Fans nicht wirklich.

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Mit dem Morgan Roadster auf großer Fahrt

Schon beim Einsteigen muss man sich verwinden um auch die Beine in den engen Schacht zu bekommen, egal wenn man einmal drinnen sitzt will man sowieso nicht mehr aussteigen. Das aussteigen ist noch eine Spur mühsamer, aber alles ist vergessen beim ersten beschleunigen, da stecken „Urgewalten“ dahinter, heute sagt man dazu Power. Allein die Geräuschkulisse ist derart brachial, jetzt versteht man warum kein Radio eingebaut ist. Der Morgan blubbert im Leerlauf, beim anfahren wird er kernig, kreischt sägt, stöhnt und bei voller Beschleunigung löst es einen Orkansturm aus, man fühlt sich in eine andere Zeit versetzt.

Das ist noch Auto fahren, wie vor 50 Jahren, keine Assistenzsysteme, bei Landstrassentempo ist man gefordert, man stöhnt und windet sich durch Kurven, man hat Mühe das Lenkrad nicht aus den Fingern zu verlieren so hart ist das elegante Holzlenkrad. Aber irgendwie schafft man es und mit jeden Kilometer fühlt man sich wohler. Autobahn fahren ist irgendwie fad, man könnte ja wenn man wollte, man wäre auch schneller als so manchen Sportwagen, aber hier kann sich ein Morgan nicht wirklich entfalten und in Szene setzen.

Idealerweise bewegt man einen Morgan – natürlich immer offen – wenn auch ein ordentliches Stoffverdeck und einsteckbare Fenster vorhanden ist. Das Schließen ist natürlich eine Prozedur und so fährt man kurzerhand eben offen. Morganfahrer sind halt echte Männer – die lesenden Frauen werden uns verzeihen, dass sie gar nicht vorkommen. Oh doch als Beifahrerinnen sind sie willkommen, mit dem obligaten Tuch über dem Kopf, während man selbst natürlich die gepolsterte Lederhaube aufgesetzt hat.

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Morg(a)ntau im Salzkammergut

Stellen Sie sich nun die Strecke am Traunsee in Richtung Altaussee  vor, dort gehört ein Morgan hin. Man cruist und wenn einem ein „weichgespülter“ Sportwagen auf die Pelle rückt – ein kurzer Gasstoß und alles ist wieder zurechtgerückt. Der Morgan ist eben ein echter Haudegen, ein echter Kerl, der eben gezüchtigt werden muss und mit dem man eine Lebensbeziehung eingeht. Es sollen schon Ehen darunter gelitten haben. Und wenn man dann doch einmal stehen bleibt und aussteigt, dauert es keine zwei Minuten und es stehen drei Männer um das Auto herum und interessieren sich und fragen und fragen.

Das macht den echten Morganbesitzer natürlich sehr stolz und er weiß die „verrückteste“ Entscheidung war doch die Richtige – Frauen können sagen was sie wollen. Jedenfalls einmal im Leben sollte man sich dieses Erlebnis der besonderen Art gönnen, man(n) gönnt sich ja sonst nichts.

Übrigens wurde uns der Morgan Roadster vom Österreich Importeur der Firma Koessler-Hammerschmid Morgan Austria GesmbH zur Verfügung gestellt. Das Österreichische Unternehmen das 1978 gegründet mit Sitz in Trumau bei Baden ist vielen bekannt durch Ford Motorsport und den legendären Hammerschmidmotoren. Herr Jörg Koessler und seine Mannen kümmert sich um Service, Restaurierung, Optischen und Motorischen Tuning und verkauft rund 50 bis 70 Neuwagen pro Jahr. Weltweit werden pro Jahr rund 800 Fahrzeuge ausgeliefert.

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Für Interessierte, den Morgan kann man sich in unzähligen Ausstattungsvarianten, Farben, Lederkombinationen und Stoffverdeckvarianten zusammenstellen, aber auch jedes Jahr den Luxus beispielsweise mit einem Holzarmaturenträger, oder Holzlenkrad oder Lederriemen über die Motorhaube und vielem mehr verschönern. Echte Morganfans machen davon regen Gebrauch – was pflegt man den so gerne wie seinen Morgan. Der Importeur bietet auch Reisen an und dabei sind Morganfahrer unter sich.

Wir fanden schade, dass wir den Morgan wieder abgeben mussten und mit einem „emotionslosen“ vergleichsweise ruhigen SUV wieder nach Hause fahren mussten. Aber der Tag (Morgan) kommt sicher wieder.

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