Wir haben BM Niki Berlakovich zum Thema interviewt.
BLL: Herr Minister Berlakovich, warum ist die Artenvielfalt und deren Erhalt so wichtig für uns Menschen?
Biologische Vielfalt ist das Erfolgsgeheimnis der Natur. Je mehr Tier- und Pflanzenarten es gibt, desto höher ist die Chance, dass Anpassung und Fortpflanzung gelingen und Leben weiter besteht. Das gilt beispielsweise auch für extreme Veränderungen wie den globalen Klimawandel. Die Vielfalt der Gene, Arten und Ökosysteme ist die Lebensversicherung der Natur und letztendlich auch für uns Menschen. Österreich kann sich glücklich schätzen, zu den artenreichsten Ländern Europas zu gehören. Wir haben uns – gemeinsam mit allen anderen Ländern der Europäischen Union – dazu verpflichtet, dieses unvergleichbare und einzigartige Naturerbe zu erhalten. Vor allem auch für unsere Nachkommen.
BLL: Sie haben zum Schutz der Artenvielfalt und zur Verbesserung der Situation für bedrohte Arten die Kampagne „vielfaltleben“ ins Leben gerufen. Was sind Ziele Ihrer Initiative?
Zentrales Ziel von „vielfaltleben“ ist es, effektive Maßnahmen zur Verbesserung der Situation der am meisten gefährdeten Arten und Lebensräume zu leisten. Schutzprojekte in ganz Österreich sichern den Fortbestand von Feldhamster, Osterluzeifalter und Co. Ein besonderer Schwerpunkt wird auf vier Regionen gelegt: March-Thaya-Auen, Feuchte Ebene – etwa 20km südöstlich von Wien – Neusiedler See-Seewinkel und Oberes Inntal. Alle vier Schwerpunktregionen sind wassergebundene Lebensräume und zwei davon sind grenzüberschreitende Ramsar-Schutzgebiete. Unsere sechs Nationalparks, 200 Naturwaldreservate und Wälder zählen ebenso zu den besonderen Orten der Artenvielfalt in Österreich. Wir wollen mit „vielfaltleben“ die Wichtigkeit in die Köpfe der Menschen bringen und sie auch zum Mitmachen animieren.
BLL: Wie können sich Menschen in Österreich engagieren?
Es gibt zahlreiche Gelegenheiten sich für den Schutz und Erhalt der Artenvielfalt in unserer Heimat einzusetzen. Das ist mit teils sehr einfachen Maßnahmen schon möglich. Im Rahmen von „vielfaltleben“ gibt es einen Wettbewerb, den „vielfaltleben“-Gemeindewettbewerb. Jede Gemeinde Österreichs ist dazu aufgerufen, ihre Aktivitäten bzw. Projekte zum Erhalt der Artenvielfalt einzureichen. Anmeldeschluss zum „vielfaltleben“-Gemeindechampion ist der 30. Juni 2010.
Auch in der Landwirtschaft steckt großes Potenzial sich einzubringen. Durch die Arbeit engagierter Bäuerinnen und Bauern werden zum Beispiel seltene Nutztierrassen erhalten. Die Artenvielfalt am Bauernhof wird vom Lebensministerium gefördert, jedoch ausschließlich heimische Rassen, deren Bestand gefährdet ist, wie zum Beispiel das Kärntner Brillenschaf.
BLL: Wie sieht die Ausgangssituation für die Tiere und Pflanzen in Österreich aus?
Die Roten Listen gefährdeter Arten führen uns nach wie vor ein besorgniserregendes Bild vor Augen. Mehr als 33 Prozent der Wirbeltierarten und 40 Prozent der Farn- und Blütenpflanzen gelten heute in Österreich als gefährdet. Weitere und stärkere Anstrengungen sind daher notwendig, um das mit der Europäischen Union vereinbarte Ziel zu erreichen, nämlich bis 2010 den Verlust der Artenvielfalt in Österreich zu stoppen. „vielfaltleben“ wurde gemeinsam mit dem Naturschutzbund, mit dem WWF und Birdlife gestartet, um die gefährdete Tier- und Pflanzenwelt zu schützen. Wir bauen effiziente Netzwerke auf und Kooperieren mit Medien und hochrangigen VertreterInnen aus Politik, Wirtschaft und Kultur. So wollen wir den ÖstereicherInnen den wichtigen Wert und Nutzen der Artenvielfalt vermitteln.
BLL: Für die 21 Leitarten im Rahmen der Kampagne „vielfaltleben“ gibt es auch prominente PatInnen. Inwiefern setzen sich diese Personen für ihre Schützlinge ein?
Die 21 Leitarten stehen stellvertretend für Hunderte andere gefährdete Pflanzen und Tiere. Prominente haben im Rahmen von „vielfaltleben“ die Patenschaften übernommen und ihr hohes Engagement ist unverzichtbar, um möglichst breit das Bewusstsein der Menschen für die Bedeutung des Themas Artenvielfalt zu schärfen. Sie verleihen den bedrohten Arten ihre Stimme und setzen sich für ihren Schützling ein. Bei „vielfaltleben“ bilden Tier oder Pflanze, die prominenten Patinnen und Paten sowie Wirtschaftspartner ein starkes Team zum Schutz und Erhalt des Artenreichtums.
BLL: Sie sind auch Pate für ein Tier, nämlich den Löffler. Warum gerade für diesen Wasservogel?
Der Löffler und ich haben einiges gemeinsam. Wir beide lieben das Burgenland und schätzen die unberührte Natur des Neusiedlersees. Damit das so bleibt, wird für den Schilfgürtel des Sees ein Bewirtschaftungsplan erstellt, der vor allem auf die Schutzerfordernisse des Löfflers und anderer Vogelarten abgestimmt ist. Damit stellen wir sicher, dass auch in Zukunft der Löffler und seine gefährdeten Kollegen im Nationalpark Neusiedlersee eine Heimat finden. Insbesondere der Löffler kommt nämlich nur noch im Nationalpark Neusiedlersee vor. Es handelt sich um einen scheuen schneeweißen Wasservogel mit dem charakteristischen löffelförmigen Schnabel, an dessen Anblick wir uns hoffentlich auch in Zukunft noch lange erfreuen werden.
Danke für das Gespräch.




![bk27012010-04[1] bk27012010 0411 1024x680 Biologische Vielfalt ist LEBEN](http://www.besserlaengerleben.at/wp-content/uploads/2010/06/bk27012010-0411-1024x680.jpg)




