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Samstag, 23. September 2017
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Der neue Nouvel-Tower in Wien- ein außergewöhnlicher Beitrag zur Wiener Architektur

 Der neue Nouvel Tower in Wien  ein außergewöhnlicher Beitrag zur Wiener Architektur

© ORF.at

Der vom Pritzker Preisträger Jean Nouvel konzipierte Tower stellt einen neuen Höhepunkt in der städtebaulichen Entwicklung Wiens dar. Zielsetzung des Bauherren – der UNIQA Gruppe – war es, nach dem 2004 fertig gestellten UNIQA Tower von Heinz Neumann, die Donaukanalkante um ein weiteres markantes und einzigartiges Gebäude zu ergänzen. Gemeinsam mit dem benachbarten Media Tower von Hans Hollein bildet der Nouvel-Tower nun ein neues, architektonisches Tor zur Leopoldstadt – gebildet aus den Gebäuden zweier Pritzker Preisträger. Mit der Nutzung des 18 Stockwerke hohen Nouvel-Tower als 5-Sterne Hotel, Restaurant und Designcenter samt öffentlicher Passage wird ein wesentlicher Beitrag zur weiteren Belebung des Gebietes geleistet.

Highlights des Nouvel-Tower

Der Baukörper des Nouvel-Tower ist wie eine Skulptur ausgebildet und trägt seine Vielfältigkeit auch nach Außen zur Schau. Aus dem Sockel mit sechs Geschossen wächst förmlich der Hotelturm auf 75 Meter Höhe, akzentuiert durch das Verbindungselement beider Bauteile, den mehrgeschossigen Wintergarten auf Seiten der Taborstraße.

Auch die Gläser der Fassade sind je nach Himmelsrichtung anders gefärbt und geschnitten, zum Donaukanal hin in Grau, nach Osten ein verspiegeltes Weiß, nach Westen Schwarz und nach Norden Transparent mit unterschiedlichen Profilierungen. Durch die verschiedenen Tönungen und Neigungswinkel ändert sich ihre Erscheinung im Tagesablauf je nach Lichteinfall und Stimmungsänderung am Himmel.

 Der neue Nouvel Tower in Wien  ein außergewöhnlicher Beitrag zur Wiener Architektur

Jean Nouvel

Auf den gläsernen Dachschrägen stellt der Architekt mit den dicht gedrängten Parallelogrammen und Rauten in Grau, Schwarz und Blau einen Bezug zum Dach des nahe gelegenen Stephansdoms her.

Die stringente Bildsprache von Jean Nouvel setzt sich im Inneren des Hauses unverändert fort. In den Zimmern wird die jeweils unterschiedliche farbliche Gestaltung der Fassade unmittelbar fortgesetzt. So sind die südseitigen Zimmer monochrom in Grau gehalten – vom Boden über die Wände und die Decke bis hin zu Waschtisch und Badewanne. Die nordseitigen Zimmer hinter der transparenten Fassade sind hingegen genauso konsequent in Weiß gestaltet. Zur Taborstraße hin wiederum sind die schwarzen Zimmer angesiedelt. Aber nicht nur die Farbgestaltung der Zimmer, auch die gesamte Konzeption und Einrichtung – bis ins letzte Detail – tragen die Handschrift von Jean Nouvel.

Weithin sichtbare Akzente setzt die Schweizer Künstlerin Pipilotti Rist mit ihren Lichtdecken samt Videobespielungen einzelner LED-Felder. Sie erstrecken sich auf insgesamt rund 2.000 m2 an der auskragenden Decke beim Hoteleingang und im Foyer, auf der Decke des Wintergartens und der Decke des gesamten Panoramarestaurants im 18. Stock. Die Farbigkeit der Werke von Rist bildet dabei einen spannenden Kontrast zu den vorherrschenden Nicht-Farben Schwarz, Weiß, Grau und verspiegelt.

Die Natur findet durch die 600 m2 große “Grüne Wand” von Patrick Blanc Einzug in den Nouvel-Tower. Blanc hat damit einen 5 Stockwerke hohen vertikalen Garten geschaffen, der auf einer Stahlkonstruktion vor der benachbarten Feuerwand wächst und gedeiht. Die rund 20.000 Pflanzen wurden dabei in kleine Erdtaschen aus Wurzelflies eingebettet und werden automatisch mit Brunnenwasser bewässert. Die einzelnen Pflanzensorten wachsen dabei nicht wild durcheinander, vielmehr sind sie in diagonalen Linien gruppiert.

Die künstlerischen Wandgestaltungen von Alain Bony und Henri Laboile machen jedes der 182 Hotelzimmer und Suiten einzigartig und wirken der sonst üblichen Uniformität von Hotelzimmern entgegen. In Zusammenarbeit mit Künstlern der Universität für angewandte Kunst wurden die zurückhaltenden wie überraschenden künstlerischen Interventionen der beiden Franzosen in Handarbeit mit Bleistift, Spraydose und Farbe umgesetzt. Dadurch wurde jedes einzelne der grauen, weißen und schwarzen Zimmer zu einem Unikat.

Der Bau

Die Errichtung des imposanten Nouvel-Tower war für alle Beteiligten – von Architekten, Statikern, Haustechnikern bis hin zu den ausführenden Firmen und ihren Mitarbeitern eine außergewöhnliche Herausforderung.

Am spektakulärsten war während der Bauphase die Hebung des 1.600 Tonnen schweren zwei-geschossigen Stahlfachwerks auf 30 Meter Höhe im Februar 2009. Die Konstruktion verbindet den Betonkern des Hauses mit zwei schrägen Stahlpylonen, trägt die darüber liegenden zehn Stockwerke und ermöglicht den sensationellen Blick vom Straßenniveau aus auf die von Pipilotti Rist gestalteten Lichtdecke im “Wintergarten”. Für den Betrachter ergibt sich durch diese für Österreich bis dato einmalige Konstruktions- und Bauleistung der Eindruck eines schwebenden Turms.

Aber auch darüber hinaus wurde das Team sowohl bei der Planung als auch bei der Umsetzung mit einer Reihe von außergewöhnlichen Herausforderungen in technischer, statischer und bauphysikalischer Hinsicht konfrontiert.

Nachhaltigkeit als ökonomisch-ökologisches Konzept – mehr als eine grüne Wand

Die augenscheinlichste Ausprägung für den ökologischen Anspruch des Nouvel-Tower ist sicherlich die 600 m2 große “Grüne Wand” von Patrick Blanc. 20.000 Pflanzen, die vertikal angebracht an einer Stahlkonstruktion vor der benachbarten Feuerwand angebracht wurden, sind aber nur die sichtbare Spitze der umfassenden Energie- und Umweltschutzmaßnahmen, die im Zuge des Baus getätigt wurden.

Allein bei den haustechnischen Anlagen wurden rund 2,6 Mio. Euro in energiesparende Maßnahmen investiert.

Die Energieeffizienz wurde nicht außer Acht gelassen, so wurde alles erdenkliche getan, um den Kühl- und Wärmebedarf, den Stromverbrauch und den CO2-Abdruck des Bauwerks auf ein Minimum zu reduzieren.

Erdspeicher von 75.000 Kubikmetern und 77 Kilometer Absorberschläuche unterstützen im Sommer die Kühlung und im Winter die Beheizung. So werden im Winter mehr als ein Drittel des Heizbedarfs abgedeckt und im Sommer gar fast 60% der Kühlung. Durch 320 über das ganze Haus verteilte und untereinander verbundene Kleinwärmepumpen wird zusätzlich die Nord-Süd-Ausrichtung des Hauses genutzt und im Sommer und Herbst der unterschiedliche Heiz-Kühlbedarf ausgeglichen. Auf dem Dach befindet sich eine 216 m2 große Solaranlage, die im Sommer den gesamte Warmwasserbedarf des Hotels abgedeckt.

Einen gänzlich neuen Weg ist man bei der Kühlung der in Summe 900m2 großen Schrägdächer in der Taborstraße und der Großen Mohrengasse gegangen. Ab einer Außentemperatur von 26 Grad Celsius werden die Flächen mit einem Sprühregen benetzt, dessen Verdunstungskälte für eine Reduktion der Kühllast um 10% sorgt. Gespeist wird die Anlage durch einen eigenen Brunnen.

Viele der verwendeten Techniken wie die Kühlung der Dachschrägen durch Brunnenwasser, fanden erstmals in Österreich Anwendung.

Le LOFT – architektonischer und kulinarischer Höhepunkt

Das im 18 Stock gelegen öffentliche Restaurant “Le LOFT” samt Bar und Lounge bildet in mehrerer Hinsicht eine Höhepunkt im Nouvel-Tower. Die architektonische Gestaltung verleiht dem rundum verglasten Raum eine angenehme Leichtigkeit und ermöglicht den Gästen einen einmalige Blick über Wien. Überwölbt wird das von Jean Nouvel in allen Details designte Lokal von einer der Lichtdecke von Pipilotti Rist.

Für das gastronomische Konzept im Le LOFT konnte mit Antoine Westermann ein internationaler Spitzengastronom gewonnen werden, der für seine Küche im berühmten Straßburger “Buerehiesel” u.a. drei Sterne von Michelin erhalten hat. Aktuell betreut der Elsässer neben seinen beiden Pariser Lokalen “Drouant” und “Mon vieil ami” auch Restaurants in Washington, Luxemburg sowie Portugal und nun auch in Wien. Umgesetzt wird das von Westermann eigens für Le LOFT erstellte kulinarische Konzept von Raphael Dworak, der bei Westermann seine Ausbildung genossen hat und schon seit Jahren mit ihm zusammenarbeitet.

Die Partner Sofitel und stilwerk

Der Nouvel-Tower beherbergt das Luxus Hotel Sofitel Vienna Stephansdom, das Restaurant “Le LOFT” und das Designcenter stilwerk.

Auf Straßenniveau und in den ersten drei Stockwerken des Nouvel Baus entstand aus rund 30 inhabergeführten Geschäften unter der Dachmarke von stilwerk eine exklusive Plattform für Einrichtung, Design und Lifestyle, die sich von konventionellen Shopping-Zentren deutlich abhebt. Im “stilwerk Wien” werden – wie den anderen Standorten in Hamburg, Berlin und Düsseldorf – hochwertiger Einrichtungsbedarf, Designprodukte und Lifestyle-Accessoires internationaler renommierter Marken und lokaler Anbieter auf 6.000 m² unter einem Dach präsentiert.

Als Betreiber des 5-Sterne-Hotels mit 182 Zimmern und Suiten, Spa- und Wellnessbereich sowie einem Conference Center konnte der europäische Marktführer ACCOR gewonnen werden. Das Haus wird von der französischen Unternehmensgruppe unter der Topmarke Sofitel geführt. Die gesamte Innenausstattung des “Sofitel Vienna Stephansdom” wurde, wie das Gebäude selbst, von Jean Nouvel designt.

pte

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