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Montag, 21. August 2017
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Lawinengefahr nicht unterschätzen

Heuer schon 19 Lawinentote! Wenn der erste Schnee gefallen ist, gehen wieder viele begeisterte abseits der Pisten ihre Touren oder suchen frische Neuschneehänge auf um ihre Schwünge zu ziehen.

Leider steigt die Zahl der Lawinenopfer jedes Jahr an und darum wollen wir Sie hier über Lawinen im Allgemeinen, der Entstehung, über die richtige Ausrüstung und das richtige Verhalten im freien Gelände informieren.

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Faktoren der Lawinenbildung

Damit sich eine Lawine bilden kann, müssen verschiedene Bedingungen erfüllt sein. Für eine Schneebrettlawine z.B. braucht es eine vorhandene kritische Schicht, brettartigen Schnee der darüber liegt, genügend steiles Gelände sowie eine auslösende Kraft, die einen sog. Initialbruch erzeugen kann.

Die folgenden Faktoren sind entscheidend für die Lawinenbildung. Niederschlag, Wind, Temperatur, Schneedecke, Gelände, Mensch, Schneebrett, Freerider und das Wetter.

Die Kombination dieser Faktoren wirkt sich in verschiedener Art und Weise auf die Lawinengefahr aus.

Die wichtigsten Regeln lauten:

Neuschnee + Wind = Lawinengefahr

Schnelle und markante Erwärmung = kurzfristiger Anstieg der Lawinengefahr

Damit Schneebrettlawinen entstehen können, braucht es schwache Schichten in der Schneedecke. Je steiler und schattiger, desto gefährlicher.

Bereits einzelne Wintersportler können Schneebrettlawinen auslösen. Die Gefahr mitgerissen und verschüttet zu werden, ist groß. Schneebrettlawinen müssen nicht groß sein, um gefährlich zu werden. Die typische „Skifahrerlawine“ ist 70 Meter breit und 200 Meter lang mit einer Anrissmächtigkeit von 50 Zentimetern.

Der Mensch als Tourengänger und Tiefschneefahrer

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Der Mensch ist oft das auslösende Element für eine Schneebrettlawine. 90% aller durch Lawinen verschütteten Personen haben „ihre“ Lawine selbst ausgelöst. Durch defensives Verhalten kann die Zusatzlast auf die Schneedecke reduziert werden.

Je komplexer und zweideutiger die zu beurteilende Situation ist, desto mehr entscheiden wir gefühlsmäßig. Solche Entscheide sind stark vom Unterbewusstsein geprägt. Dieses wird durch unsere Erfahrung und durch Wahrnehmungen, Einstellungen und Wünsche gesteuert. Diese Wahrnehmungsfallen können uns blenden und zu falschen Entscheiden führen.

Typische Wahrnehmungsfallen im Lawinengelände

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Wunschdenken (Gipfeldrang):

Man entwickelt einen Tunnelblick und tendiert dazu, Informationen zugunsten einer vorgefassten Meinung zu filtern. Außer dem Ziel wird alles ausgeblendet.

Vertrautheit:

Die Risikobereitschaft ist im bekannten und vertrauten Gelände höher als im unbekannten, denn die Vertrautheit suggeriert uns Sicherheit. Im Lawinengelände ist die Vertrautheit eine falsche Sicherheit! Sie macht uns blind, Veränderungen wahrzunehmen.

Exklusivität:

Die Exklusivität, z.B. in einem unbefahrenen Hang die ersten Spuren zu ziehen, macht euphorisch und hindert uns, klar zu denken. Zusätzlich können andere WintersportlerInnen als potentielle Anwärter für diese Exklusivität uns unter Druck setzen.

Soziale Anerkennung:

Die meisten Menschen verfolgen gerne Aktivitäten, in denen sie Anerkennung und Beachtung erhalten. In einer angespannten Gruppe oder Gruppe können aus Angst vor Anerkennungsverlust falsche Entscheide gefällt werden.

Richtiges Verhalten abseits der Piste

Wer abseits der Pisten Wintersport betreibt, bewegt sich in nicht gesichertem Gelände und ist somit alpinen Gefahren ausgesetzt. Nebst Absturz oder allfälliger Spaltensturzgefahr ist vor allem die Lawinengefahr im Winter zu beachten. Jährlich sterben in der beispielsweise in der Schweiz rund 25 Personen in Lawinen. Freerider und Tourengänger sollten sich daher über die aktuelle Lawinengefahr informieren, im Gelände lawinenrelevante Beobachtungen machen, richtig ausgerüstet sein und sich den Verhältnissen entsprechend richtig verhalten. Im Zweifelsfall die Piste nicht verlassen oder sich einer professionell geführten Gruppe anschließen.

Welche Notfallausrüstung gehört unbedingt dazu?

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Bereits nach 15 Minuten sinkt die Überlebenschance einer ganz verschütteten Person markant. Die häufigste Todesursache ist das Ersticken, weil die verschüttete Person oft nur eine kleine Atemhöhle hat. Nur die Hälfte der ganz verschütteten Schneesportler überlebt das Lawinenunglück.

Als Beobachter eines Lawinenunglücks kann jeder Wintersportler durch richtiges Verhalten zum Lebensretter werden. Die Standard-Notfallausrüstung für Schneesportler, die sich abseits von gesicherten Piste bewegen, besteht aus Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS), Lawinenschaufel und Lawinensonde.

Weiter sind im Rucksack sinnvoll:

Aufstiegshilfen

Notfallapotheke

Handy oder Funk

Orientierungsmittel

Sonnen- und Kälteschutz

Lawinennotfallsysteme im Vergleich

Das SLF http://www.slf.ch hat im Rahmen verschiedener Studien mit Partnern die Wirksamkeit von Lawinenrettungssystemen analysiert. Die wichtigste Erkenntnis: Ohne technische Suchmittel sind die Überlebenschancen bei einer Ganzverschüttung schlecht. Beim LVS empfiehlt sich der Einsatz von modernen 3-Antennen-Geräten. Selbst Ungeübte finden damit einfach und schnell eine einzelne verschüttete Person. Auch der Lawinenairbag ist ein empfehlenswertes Notfallgerät.

Eine Studie von 2014 zeigt, dass aufgeblasene Airbags etwa die Hälfte aller Todesopfer verhindern können.

Abschließend noch einige Tipps und Merksätze

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• Orientierung über Wetter und Lawinensituation.

• Laufende Neubeurteilung von Verhältnissen, Gelände und Mensch.

• LVS auf Senden, Schaufel und Sonde dabei.

• Frische Triebschneeansammlungen umgehen.

• Schlüsselstellen und extreme Steilhänge einzeln befahren.

• Tageszeitliche Erwärmung beachten.

Merksätze:

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• Der 1. schöne Tag nach einem bedeutenden Schneefall ist besonders gefährlich.

• Neuschnee + Wind = Lawinengefahr

• Je steiler und schattiger desto gefährlicher.

• Frische Lawinen und „Wumm“-Geräusche sind Zeichen für Lawinengefahr.

• Schnelle und markante Erwärmung führt kurzfristig zu einem Anstieg der  Lawinengefahr.

• Damit Schneebrettlawinen entstehen können braucht es schwache Schichten in der Schneedecke.

Behrzigen Sie vorstehende Tipps und Merksätze, sodass Sie von ihrem Skiausflug auch wieder heil nach Hause kommen.

Hier finden Sie noch weitere Informationen.

Herzlichen Dank für die uns zur Verfügung gestellten Informationen des Institut WSL (Institut für Schnee- und Lawinenforschung) in Davos. Wir haben das Institut besucht und persönlich sehr viel gelernt über richtiges Verhalten im alpinen Gelände.

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