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Montag, 26. Juni 2017
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Reisen: Dynamik der Digitalisierung nimmt ab

Aufholbedarf im Tourismus.

Tourismusexperten erwarten für 2016 eine Konsolidierung im digitalen Marketing, doch viele ungelöste Probleme der Vergangenheit müssten noch angegangen werden. Insbesondere die Komplexität im Vertrieb macht den Touristikern zu schaffen, da gebe es keine Patentlösungen. Nach dem Motto “Offline first” fordern Fachleute, dass zunächst einmal die Hausaufgaben gelöst werden. Konzentration auf Kernzielgruppen und vermehrte Differenzierung würden die Wettbewerbsfähigkeit stärken und nachhaltigen Erfolg in der digitalen Welt schaffen, so das Ergebnis einer Podiumsdiskussion des Travel Industry Club Austria im Hotel Goldener Hirsch in Salzburg.

Organisationsentwicklung, Kompetenzaufbau und Mitarbeiterschulung sind laut Roman Egger von der FH-Salzburg die wichtigsten To Do’s, um auch in der Zukunft im digitalen Markt zu bestehen. Die Frage ist nicht was neu ist, sondern wie es besser geht. So gilt es die Chance zu erkennen und danach zu handeln. 5,8 Mrd. Menschen auf der Erde besitzen ein Mobiltelefon. Die Suchanfragen mit mobilen Endgeräten haben bei Google 2015 zum ersten Mal jene übertroffen, die über Desk- oder Laptop-Computer abgesetzt wurden. Dennoch ist nur ein geringer Anteil der Websites für mobile Endgeräte im Sinne eines “Responsive Design” verfügbar.

 Reisen: Dynamik der Digitalisierung nimmt ab

Im Bild (v.l.n.r.): Sher Khan von Google, Christian Gerauer vom Suchmaschinenoptimierer ReachLocal, Prof. Roman Egger von der FH Salzburg und Helmut Krätzl von den Salzburger Nachrichten

Nicht entweder oder, sondern sowohl als auch

Christian Gerauer von ReachLocal verwies auf den Umstand, dass trotz aller digitaler Entwicklung die Reservierung per Telefon für 60 Prozent der Kunden immer noch relevant ist. Insbesondere bei Nachfragen und Sonderwünschen schätzen Gäste den persönlichen Kontakt mit den Anbietern. Die sich bietenden Möglichkeiten des Up- und/oder Cross-Sellings werden zu wenig genutzt, um mehr Umsatz zu erzielen. Ähnliches gilt für den Online-Medien-Mix. Auch hier geht es darum, Suchmaschinen-Marketing, Social Media und vor allem die eigene Website durchgehend zu gestalten und keine Brüche zuzulassen.

Google Hotel Ads als Chance für Direktbuchungen

Laut Google Travel Study 2014 beginnt die Hotelrecherche für 75 Prozent der Freizeit- und 65 % der Geschäftsreisen im Internet. Suchmaschinen und Online-Reisebüros haben dabei mit 45 Prozent der Anfragen die Nase vorn. Reisende entscheiden sich erst nach mehreren Suchanläufen für ein Hotel. Kundendaten zu sammeln und zu analysieren, sind für Sher Khan von Google die wichtigsten Voraussetzungen, um den Aufbau von Kundenbeziehungen erfolgreich zu bewerkstelligen. Die gezielte Ansprache von individuellen Kundenbedürfnissen führt in der Folge zu mehr Effizienz und zur effektiven Umsatzsteigerung.

Google Hotel Ads bietet sich als Ergänzung zu AdWords an, sagte Khan. Der Dienst zeigt aktuelle Preise und Verfügbarkeiten und biete über einen Buchungslink den direkten Zugang zum Hotel. Anders als bei AdWords funktioniert dieses Angebot wie ein Vertriebskanal auf Basis einer Provision für getätigte Buchungen. Das bestehende Cost-per-Click-Modell wird durch das Provisionsmodell ergänzt und bietet Hotels die Chance, Direktbuchungen über Google zu generieren.

Kooperation statt Einzelkämpfertum

Die rasante Entwicklung im digitalen Marketing überfordert viele Unternehmen. Man kann sich zwar die geforderten Kompetenzen aneignen, allerdings bedarf es dazu viel Zeit und Ressourceneinsatz, meinte Christian Gerauer von ReachLocal. Eine Alternative dazu stellen Dienstleister dar, die gemeinsam mit den Hoteliers nicht nur an der Strategie arbeiten, sondern diese in der Folge auch gezielt zur Umsetzung bringen.

Eine weitere Möglichkeit sind Hotelkooperationen wie sie etwa die Romantik Hotels vorzeigen. Hier ziehen europaweit 200 Betriebe gemeinsam an einem Strang und meistern die Herausforderungen. Laut Michael Berndl, Präsident der Romantik Hotels Österreich, werden die Kompetenzen im Online-Marketing in der Zentrale in Frankfurt gebündelt und damit effizient zur Umsetzung gebracht.

“Last but not least” sind es die Tourismusorganisationen in den jeweiligen Destinationen selbst, denen neue Aufgabenstellungen erwachsen. Walter Veit vom Hotel Enzian in Obertauern verwies auf den Tourismusverband, bei dem alle Anfragen konzentriert eingehen und bearbeitet werden. Auch in diesem Fall muss die Kompetenz zum Nutzen aller Betriebe gebündelt werden.

Aus- und Weiterbildung als Schlüssel zum Erfolg

Die dargestellten Entwicklungen verlangen nach einer Professionalisierung der Mitarbeiter im Unternehmen. Egger verwies auf den Umstand, dass die FH-Salzburg in den vergangenen Jahren ein erfolgreiches Ausbildungsprogramm für Mitarbeiter in den Betrieben durchgeführt und damit zur Professionalisierung beigetragen hat. In den Fachhochschulen in Österreich gehört die digitale Welt zum Ausbildungsstandard. Die Studierenden erhielten dort das Rüstzeug, um im Online-Marketing bestehen zu können.

Copyright: Fotodienst / Manfred Siebinger

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