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Freitag, 15. Dezember 2017
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Seele tragfähiger Beziehungen will gepflegt werden

 Seele tragfähiger Beziehungen will gepflegt werden

© Psychotherapeutin Sabine Fischer

Auch Partnerschaften haben ein “Selbst”.

Fast jede zweite Ehe wird heute geschieden. Experten sehen eine gewisse Oberflächlichkeit sowie mangelnde Selbstliebe und verweigerte Selbstreflexion als Mitursache des Scheiterns. “Auch Beziehungen haben ein Selbst, eine ‘Seele’, die die Partner miteinander verbindet”, meint die Wiener Psychotherapeutin Sabine Fischer im Gespräch.

“Dieses Selbst braucht aber auch Zeit sich zu entwickeln. Wenn sich zu rasant viel verändert, dann wird das natürlich auch die Beziehung verändern. Gemeinsame bewusst gelebte Zeit wirkt sich stärkend auf die Beziehung aus und geben ihr Tiefe”, so die Expertin. “Dann werden in einer Beziehung Dinge möglich, die alleine nicht möglich sind. Man nimmt Anteil am Anderen, bleibt in ständiger Anpassung und verwandelt sich.”

Nicht nur Schönes teilen

Lässt man den anderen an eigenen Erlebnissen teilhaben, entsteht eine tiefe Verbundenheit. Denn Interesse am anderen sowie Anteilnahme wirken stärkend für eine Partnerschaft. “Doch zur Entwicklung einer tiefen dauerhaften Beziehung gehören nicht nur schöne geteilte Dinge, sondern auch Störungen.

“Wenn solche Störungen sein dürfen und miteinander geteilt werden, können sie auch gemeinsam gelöst werden. Die gemeinsame Überwindung solcher Probleme – dazu gehört auch unliebsame Gefühle anzusprechen und zu akzeptieren – schafft ein Gefühl tiefer Verbundenheit”, erklärt die Expertin.

Konstruktive Konfliktlösung lernen

“Konstruktive Konfliktlösung wirkt sich nicht negativ aus, sondern eröffnet Raum für beiderseitige Entwicklung”, hebt Fischer hervor. “Wenn aus Konflikten Streit entsteht, sind das Kämpfe mit einem Gewinner und einem Verlierer. Diese Situationen führen zur Getrenntheit in der Beziehung.”

“Um Konflikte konstruktiv zu lösen, bedarf es Zeit und Verständnis, für sich selbst und für den Partner.” Dazu gehöre auch die Selbstreflexion, also der Blick hinter den Konflikt – in den “Rucksack”, den jeder in die Beziehung mitbringt. “Je reflektierter jemand ist, je mehr er bereit ist, sich selbst zu erkennen, desto besser ist das für die Beziehung.”

Partnerschaft hat einen Fehlerteufel

“Zeit wirkt gegen die Beziehung, wenn man den anderen nicht richtig wahrnimmt, sondern eigene Projektionen und Fantasien im anderen sieht. Dann bleibt die Weiterentwicklung oft auf der Strecke und die Beziehung wird oberflächlich”, weiß Fischer aus der Praxis. Häufig ist es dann leichter, sich neu zu orientieren, als sich zu stellen.

Damit eine tiefe lange tragende Beziehung aufrecht bleibt, ist natürlich der Wille zur Arbeit an der Partnerschaft von beiden Seiten notwendig. Dazu gehören auch Zugeständnisse der eigenen Fehler, das Offenlegen eigener Schwächen und die Arbeit an einer reifen Konversation, die “Killerargumenten” gar nicht erst Platz geben.

“Dennoch sollte jeder Partner auch einen Teil haben, den er für sich behält. Das ist ganz wichtig, sonst besteht die Beziehung nur mehr aus Partnerschaft und gerät in Abhängigkeit. Dieser Grad des ‘Bei-sich-seins’ ist sehr individuell und in ständigem Wandel, aber eben sehr wichtig”, so Fischer. “Eine reife Beziehung trägt nämlich auch schwierige Lebensphasen und erleichtert das Alter – auch dann, wenn sich vieles verändert.”

pte

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