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Freitag, 23. Februar 2018
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Unternehmensgründung im Alter: Kann das funktionieren?

Gründern der Generation 50plus wird es von Banken häufig schwierig gemacht, den Schritt in die Selbstständigkeit zu realisieren.

Zu groß ist auf Seiten der Kreditgeber oftmals die Sorge, Kredite könnten nicht mehr rechtzeitig abbezahlt werden. Doch mit der richtigen Idee zur richtigen Zeit, Erfahrung und einem ausgeprägten Geschäftssinn kann jeder Unternehmer erfolgreich sein – unabhängig davon, in welchem Alter er oder sie gründet oder wie groß das vorhandene Startkapital ist. Unser Artikel nennt Fallbeispiele und erklärt, worauf es bei der Firmengründung ankommt.

Ältere Gründer profitieren von ihrem Erfahrungsschatz

Erst kürzlich haben wir in einem Beitrag erörtert, dass Arbeitnehmer der Generation 50plus auf dem Arbeitsmarkt noch immer wertvoll sind: Ältere Arbeitnehmer sind erfahren, arbeiten gewissenhaft und haben in vielen Fällen über die Jahre eine hohe soziale Kompetenz erworben – ideale Voraussetzungen, um sich auch im Alter noch selbstständig zu machen.

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Auch wenn sich viele Banken bei der Kreditvergabe skeptisch zeigen, beweisen diverse Erfolgsbeispiele, wie unangebracht dieses Verhalten ist: Gründer, die über 50 sind, sind nämlich genauso erfolgreich wie Jüngere! Eine Unternehmensgründung, die ihre Wurzeln in einem AMS-Programm hatte, ist inzwischen zu einem anerkannten Wissenschafts-Verlag avanciert. Harald Knill, Buchhändler, Germanist und langjährige Mitarbeiter unterschiedlicher Verlage, erarbeitete im Rahmen dieses Programms einen Businessplan und hatte mit Mitte 50 Erfolg: “Es war sehr unwahrscheinlich für mich, in dem Alter noch einen Job zu bekommen”  erklärte er dem Standard, doch er hatte mit seiner Idee Erfolg: Inzwischen bietet sein Verlag new academic press eine breites Repertoire wissenschaftlicher Veröffentlichungen für ein Fachpublikum und andere interessierte Leser.

Ähnlich erging es Karola Haake. Sie wurde im Alter von 58 Jahren arbeitslos und machte sich anschließend selbstständig. Die gelernte Friseurin gründete eine Perückenberatung – und das trotz ihres geringen Startkapitals mit viel Freude: “So habe ich zwar wenig Geld für Werbung und alles geht etwas langsamer voran”, erklärte die damals 62-Jährige gegenüber Zeit Online, doch ans Aufhören will sie nicht denken. “Wenn die Rente kommt, mache ich trotzdem weiter. Ich arbeite gerne”, führt sie weiter aus. Sie hilft Frauen, die aus gesundheitlichen Gründen ihre Haare verloren haben, fachkundig dabei, eine passende Perücke zu finden.

Was müssen Gründer wissen?

Die Beispiele zeigen, dass Unternehmensgründungen im Alter ebenso erfüllend wie erfolgreich sein können. Eine Statistik der Wirtschaftskammer Österreich verdeutlicht, dass Ü50-Firmengründer seit Jahren zunehmend relevanter werden: Im Jahr 2016 machten Gründungen von Menschen zwischen 50 und 60 bereits 18,5 der Neugründungen im ganzen Land aus. Zehn Jahre zuvor betrug der Anteil gerade einmal 9,0 Prozent.

Neben einem guten Konzept kommt es jedoch auch auf gute Kontakte und zielgerichtete Werbung an. Wer dafür – wie Karola Haake – wenig Budget zur Verfügung hat, muss heutzutage dank günstiger digitaler Werbekanäle jedoch kaum Abstriche machen: Facebook, Instagram und selbst eine eigene Website lassen sich mit relativ geringem finanziellen Aufwand erstellen. Ist die Zielgruppe eher regional, lohnt sich analoge Werbung wie etwa Aufkleber, die sich perfekt als Give-away eignen und auch online bei Anbietern wie Saxoprint in unterschiedlichen Auflagen erstellt und gedruckt werden können. Auch Flyer oder ein Eröffnungsevent können dabei helfen, in der Phase nach der Gründung auf sich aufmerksam zu machen.

Wer sich aus der Arbeitslosigkeit heraus selbstständig machen möchte, kann zudem bei dem AMS an einem Unternehmensgründungsprogramm teilnehmen.

Das Programm greift Gründern beratend unter die Arme und begleitet sie durch die unterschiedlichen Phasen der Gründung. Die Voraussetzungen dafür sowie weitere Informationen zum Inhalt und Ablauf gibt es auf der Seite des AMS.

Ob mit oder ohne Gründerprogramm: In jedem Fall sollte man sich vorab gründlich informieren, bevor man den Sprung ins kalte Wasser wagt. Denn eine Firmengründung birgt immer auch finanzielle Risiken.

Foto: flickr.com

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