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Montag, 25. September 2017
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Essen vor dem Bildschirm sättigt nicht


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Experte: “Esskultur schützt die Gesundheit”

Wer während der Mahlzeit vor dem Computer sitzt und arbeitet, entwickelt kein ordentliches Sättigungsgefühl und ist in Folge hungriger. Wahrnehmung und Aufmerksamkeit spielen somit beim Essen eine wichtige Rolle, berichten britische Forscher um Jeff Brunstrom von der Universität Bristol http://www.bristol.ac.uk im “American Journal of Clinical Nutrition”. “Hunger und Sättigung hängen nicht nur von der Kalorienaufnahme ab, sondern auch von zahlreichen psychischen Faktoren. Nebenbei zu essen ist deshalb denkbar ungesund”, so der Fuldaer Ernährungspsychologe Christoph Klotter.

Fehlende Aufmerksamkeit macht hungrig

Die Forscher luden ihre Versuchspersonen zum Mittagessen ein und setzten allen das gleiche Menü aus neun verschiedenen Zutaten vor. Eine Hälfte der Probanden spielten während dem Essen am Computer das Kartenspiel “Solitaire”, die andere nicht. Die abgelenkten Esser fühlten sich unmittelbar danach weniger satt, ermittelten die Wissenschaftler. Sie fanden jedoch auch langfristige Auswirkungen. Innerhalb einer halben Stunde nach dem Essen verlangten die Computerspieler im Schnitt doppelt so viele Snacks wie die andere Gruppe, zudem gelang es ihnen schlechter, sich an Details des Mittagessens zu erinnern.

“Wer nebenbei isst, erlaubt seinen Sinnen nicht, sich auf das Essen zu konzentrieren. Dadurch gelingt kein richtiger Genuss”, erklärt Klotter, der an der Fachhochschule Fulda http://www.fh-fulda.de tätig ist. Es gibt somit auch eine “psychische Sättigung”, die bereits bei der Zubereitung des Essens beginnt. “Wer spätabends von der Arbeit heimkommt und aus Zeitmangel nur Brot mit Nutella isst, spürt dass er nichts Richtiges gegessen hat und dass irgendetwas fehlt. Wer sich hingegen zum Kochen Zeit nimmt, ist dadurch trotz weniger Kalorien in der Regel befriedigter.”

Mahlzeit als soziales Event

Ohne Aufmerksamkeit und somit ohne Genuss zu essen ist laut Klotter für viele Menschen ein “Riesenproblem”, das sich durch den Gesellschaftswandel nur noch zuspitzt. “Früher strukturierte das Essen morgens, mittags und abends ganz klar den Tag. Heute ist die Arbeit das Zeitmaß und das Essen nebenbei – etwa in der U-Bahn – nimmt dramatisch zu.” Eine bedeutende Komponente sei auch der soziale Charakter des Essens, da Mahlzeiten in Gesellschaft vor dem “vor sich-hin-fressen” schützen. Auch Studien mit Familien verweisen auf diesen Aspekt.

Dass eine gute Esssituation auch gesund ist, verdeutlicht der Kulturenvergleich. “Die Mittelmeer-Länder haben traditionell eine ausgeprägte Esskultur. Spanier sind nicht krank oder haben keine kürzere Lebenserwartung, obwohl sie im Vergleich eher bewegungsfaul sind. Auch die Franzosen sterben nicht vorwiegend an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie man aufgrund ihrer cholesterinreichen Ernährung vermuten könnte.” Für entscheidend hält Klotter hier, dass das Essen in erster Linie zwischenmenschliches Zusammenkommen bedeutet und somit ein Ritual darstellt.

pte

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