BLL: Herr Bundesminister, was steckt hinter dem Begriff „GENUSS REGION ÖSTERREICH“?
Berlakovich: Die GENUSS REGION ÖSTERREICH wurde vor fünf Jahren ins Leben gerufen, um auf die Vielfalt an kulinarischen Spezialitäten hinzuweisen, die Österreich zu bieten hat. Die Regionen schaffen mit ihrer Landwirtschaft und ihren Produkten eine unverwechselbare Marke. Ich möchte mit der Initiative GENUSS REGION ÖSTERREICH gezielt die Bedeutung regionaler Spezialitäten hervorheben und damit einen Beitrag für attraktive und zukunftsorientierte Regionen leisten. Bis heute sind 113 Regionen dabei, die aktiv die Philosophie der GENUSS REGION ÖSTERREICH leben und davon auch wirtschaftlich profitieren. Die Initiative hat auch Kooperationen in der Gastronomie, dem Handel und dem Tourismus. Wir machen mit der GENUSS REGION ÖSTERREICH die Leistungen unserer Bäuerinnen und Bauern, sowie der Lebensmittelproduzentinnen und -produzenten für jeden sichtbar.
BLL: Welche konkreten Ziele verfolgt die Initiative?
Berlakovich: Wichtigstes Ziel der Initiative ist es, Regionen hervorzuheben, die von der Landschaft und den dort produzierten Lebensmitteln geprägt sind. Im Zentrum steht die Information der Bevölkerung über die spezifischen kulinarischen Angebote in den einzelnen Regionen. Die Genuss Regionen sollen in den Köpfen der Menschen verankert sein – und das nicht nur bei der Bevölkerung in den Regionen selbst, sondern auch bei den Konsumentinnen und Konsumenten außerhalb und bei den Gästen, die Österreich besuchen und unsere Produkte genießen wollen. Wir können mit den Genuss Regionen wichtige Beiträge zur Entwicklung der Regionen leisten. Im Bereich des Tourismus können die Genusswochen oder regionale Genussfeste die Saisonen verlängern. Außerdem gibt es die Chance neue Gäste für Regionen zu begeistern, die bislang noch als Geheimtipp gelten.
BLL: Welche Rolle spielt Regionalität heute in der österreichischen Lebensmittelwirtschaft und im Tourismus?
Berlakovich: Die Herkunft von Lebensmitteln ist neben Qualität, Frische und dem Gesundheitsaspekt für die Konsumentinnen und Konsumenten besonders wichtig. Aus dem aktuellen Lebensmittelbericht wissen wir, dass sie auf regionale Kennzeichnung viel Wert legen und dass „Regionalität“ immer wichtiger wird. Es gibt die Bereitschaft für die regionalen Produkte auch etwas mehr Geld auszugeben. Der Trend zur Regionalität ist auch in der Gastronomie wahrzunehmen. Immer mehr Wirte kaufen ihre Lebensmittel direkt beim Bauern. Regionalität ist ebenso für den Tourismus ein immer wichtiger werdendes Thema. Im Tourismus spiegeln sich dabei gesellschaftliche Trends: angesichts des globalen Angebots sowie der noch nie dagewesenen Vielfalt an unterschiedlichen Lebensmitteln aus aller Welt, ist die “Region” ein hilfreiches Orientierungsmittel, das Authentizität, Transparenz und Vertrauen anbietet.
BLL: Was bringt „Regionalität“ für Konsumentinnen und Konsumenten?
Berlakovich: Die Menschen wollen authentische Produkte und fordern – zu Recht – Informationen über deren Herkunft und Verarbeitung. Wir wissen aus Studien, dass die Konsumenten auf eine hohe Lebensmittelqualität viel Wert legen. Diese Qualität definieren die Käuferinnen und Käufer mit Frische, österreichischer Herkunft, Natürlichkeit und wertvoller Verarbeitung. Frische steht dabei als Kaufkriterium an erster Stelle. Eine regionale Produktion aber sichert nicht nur Arbeitsplätze im Ländlichen Raum, sondern auch nachhaltig die heimische Kulturlandschaft und ist somit Basis für das Tourismusland Österreich, vor allem im Alpenraum. Aufgrund der kürzeren Transportwege trägt Regionalität aber auch zum Klimaschutz bei. In der starken regionalen Verankerung der Lebensmittel liegt die große Chance für die GENUSS REGION ÖSTERREICH und damit für einen starken Ländlichen Raum. Jeden Tag entscheiden die Konsumentinnen und Konsumenten über den Weg unserer Landwirtschaft. Wenn österreichische Produkte gekauft werden, dann kann es auch eine flächendeckende österreichische Landwirtschaft geben.
BLL: Welche Erfolge verzeichnet die Initiative?
Berlakovich: Innerhalb von fünf Jahren, seit dem bestehen der Marke GENUSS REGION ÖSTERREICH, beträgt die Markenbekanntheit unter der heimischen Bevölkerung 40 Prozent. Die Initiative ist seit dem Jahr 2005 von 25 auf 113 Regionen gewachsen. Wir sind hier genau auf dem richtigen Weg. Durchschnittlich wird pro Genuss Region ein Jahresumsatz von 1,6 Millionen Euro erwirtschaftet. 76 Prozent entfallen dabei allein auf die Produktion und Veredelung, betreffen also direkt die Landwirtschaft und die regionalen Verarbeiter.
BLL: Wie wichtig ist Ihnen persönlich Genuss und Herkunft der Lebensmittel?
Berlakovich: Ich bin ein bewusster Genießer und die Herkunft der Lebensmittel ist mir persönlich sehr wichtig. Ich achte beim Einkaufen stets darauf, wo und wie das Lebensmittel produziert wurde und welchen Transportweg es hinter sich hat. Darüber hinaus versuche ich mich bewusst und gesund zu ernähren. Aber eines ist sicher, auf den Genuss beim Essen möchte ich nicht verzichten. Deswegen liegen mir die Genuss Regionen auch am Herzen.
Danke für das Gespräch.
Fotos: BMLFUW/Newman








