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Donnerstag, 23. November 2017
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Chronische Schmerzen unzureichend behandelt

12 Chronische Schmerzen unzureichend behandelt

fotodienst.at/Anna Rauchenberger

Hunderte Mio. Euro für ineffiziente Therapien ausgegeben.

Chronische Schmerzen werden in Österreich nach wie vor unzulänglich behandelt beziehungsweise von rund 20 Prozent der Mediziner nicht ernst genommen. Zu diesem Schluss kammen Experten anlässlich der 21. Wissenschaftlichen Tagung der Österreichischen Schmerzgesellschaft (ÖSG). Allein in Österreich leiden 1,5 Mio. Menschen an chronischen Schmerzen, wobei jeder Zweite mehr als zehn Ärzte konsultieren muss, um eine korrekte schmerzmedizinische Behandlung zu bekommen. EU-weit liegt Österreich im Mittelwert. Eine ineffiziente Therapie bedeutet zudem nicht nur für Betroffene längeres Leid, sondern kostet die Gesellschaft hunderte Mio. Euro jährlich, wie Hans Georg Kress, Präsident des Dachverbandes der Europäischen Schmerzgesellschaft, anmerkt.

Pflege durch Angehörige

“Österreichweit verfügen nur 39 Prozent aller Abteilungen über einen Akutschmerzdienst, wobei die Schmerzqualität und -intensität nur 22 Prozent der Normalstationen erfassen”, erläutert ÖSG-Präsident Günther Bernatzky gegenüber pressetext. Vor allem für diejenigen, die außerhalb von Zentren mit Schmerzambulanzen wohnen, ergibt sich ein noch größeres Problem. Auch hier muss die Lage flächendeckend optimiert werden.

Chronische Schmerzen kosten den EU-Volkswirtschaften rund 300 Mrd. Euro im Jahr. “Rund 13 Prozent der Gesamtkosten fallen aber auf nicht-institutionalisierte Betreuung und Pflege”, führt Kress aus. Angehörige müssten sich dafür beispielsweise karenzieren lassen, um den Betroffenen helfen zu können. “Der Öffentlichkeit und den politischen Entscheidungsträgern sind diese Probleme gar nicht bekannt. Chronische Schmerzen sind in ihrem vollen Ausmaß unsichtbar”, sagt er.

Arbeitslos durch Schmerzen

Neben dem unzulänglichen Zugang zu multidisziplinären Einrichtungen, beruht die Unzufriedenheit in Bezug auf Schmerztherapien auf deren defizitäre Qualitäts- und Erfolgskontrolle sowie schmerzmedizinische Ausbildung der Ärzte, wobei 633 Ärzte derzeit über ein Schmerzdiplom verfügen. Deren mangelnde Vergütung stellt ein zusätzliches Defizit dar. 19 Prozent aller europäischen chronischen Schmerzpatienten haben durch ihr Leiden den Arbeitsplatz verloren.

“Das Risiko, den Beruf aufgrund von chronischen Schmerzen aufzugeben, ist um sieben Mal höher als bei gesunden Menschen”, warnt Kress abschließend. Innovativ ist jedoch ein neues Neurostimulations-System zur Behandlung chronischer Schmerzen, das im Zentrum für Interdisziplinäre Schmerztherapie im LKH Klagenfurt Anklang gefunden hat. Dabei wird ein Gerät in die Bauchhaut implantiert, das durch elektrische Impulse den Schmerz lindert.

pte

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