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Samstag, 23. September 2017
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Intensive Forschung am H1N1-Impfstoff

j03210571 178x250 Intensive Forschung am H1N1 ImpfstoffMehrere Labors forschen weltweit bereits an einem Serum gegen das Schweinegrippevirus. Die Branche sieht allerdings eine Massenproduktion erst in drei bis sechs Monaten.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sucht in Zusammenarbeit mit den betroffenen Ländern fieberhaft nach den Ursachen der Schweinegrippe. Vier Labore seien weltweit damit befasst, das mutierte Virus zu analysieren und die Entwicklung von Impfstoffen vorzubereiten, sagte WHO-Sprecher Gregory Hartl am Dienstag in Genf. “Wir wissen, dass alle Übertragungen bisher von Mensch zu Mensch vor sich gegangen sind”, sagte Hartl. “Wir suchen noch nach dem Ursprung (des Virus) und wissen nicht, wo das sein könnte.” Es gebe bislang noch keine konkreten Hinweise, dass es von Schweinen auf den Menschen übertragen wurde.

In Deutschland sei sein Institut das einzige, das an dem Impfstoff mitarbeitet, sagt Stephan Becker, Direktor des Instituts für Virologie der Universität Marburg. Das Hochsicherheitslabor habe mit den Arbeiten unverzüglich begonnen. Es stehe in engem Kontakt zur Weltgesundheitsorganisation WHO, die die Anstrengungen der verschiedenen Forschungseinrichtungen koordiniere. Becker betonte, es gehe darum, so schnell wie möglich den Impfstoff in größeren Mengen zu produzieren. Daher sei es gut, dass die Entwicklung in mehreren Einrichtungen parallel vorangetrieben werde.

Marktreife in drei bis fünf Monaten

Zwar hat die US-Behörde für Seuchenkontrolle (CDC) den Stamm des Schweinegrippe-Virus H1N1 isoliert und damit den Weg freigemacht für einen Impfstoff. Doch die Virenproben müssen nun in einem mühsamen Verfahren in speziell präparierten Hühnereiern vermehrt werden. “Das ist wie ein Obstkuchen-Rezept, bei dem bloß der Belag noch nicht klar ist”, beschreibt Susanne Stöcker, Sprecherin des Bundesinstituts für Sera und Impfstoffe, diese Arbeit. Es wird nach Ansicht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) fünf bis sechs Monate dauern, bevor ein handelsüblicher Impfstoff bereitsteht.

Mindestens 20 Firmen stellen Impfstoffe her, etwa der Schweizer Novartis-Konzern, der französisch-deutsche Pharmakonzern Sanofi-Aventis oder britische Pharmariese GlaxoSmithKline. Sie produzieren derzeit das Serum gegen die saisonale Grippe, das Experten zufolge keinen Schutz vor dem neuen Schweinegrippevirus bietet, obwohl es sich dabei um eine Variante des menschlichen H1N1-Grippevirus handelt. Allerdings sollen die damit immunisierten Personen weniger schwer erkranken.

Frage der Priorisierung der Impfstoffe

Eine große Herausforderung dürfte es werden, ausreichende Mengen Impfstoff zu produzieren. Eine Massenproduktion ist zum jetzigen Zeitpunkt nach Meinung von Experten nicht sinnvoll. Jetzt sei genau die Zeit, in der die Hersteller mit der normalen Produktion der Grippeimpfung für den Herbst beginnen, sagte Stöcker. Diese dauere drei Monate und beide Seren könnten nicht zugleich hergestellt werden. “Es wäre völlig falsch, jetzt in Panik zu verfallen und die alte Produktion zu stoppen”, sagte Stöcker. Momentan wisse man noch zu wenig über den Verlauf und die Ausbreitung der Schweinegrippe um einschätzen zu können, ob sich daraus wirklich eine Pandemie entwickle. Stoppe man nun die Produktion der saisonalen Grippeimpfstoffe auf einen bloßen Verdacht hin, habe man im Herbst bei einer normalen Influenzawelle ein Problem. “Dann haben wir vielleicht keine Schweinegrippepandemie und auch keinen regulären Grippeimpfstoff”, erklärte Stöcker. Man dürfe nicht überaktiv werden: “Es kann natürlich irgendwann doch nötig sein, die Produktion zu stoppen.” Etwa wenn sie die Schweingrippe weiter ausbreite oder die WHO ein noch höhere Warnstufe verhänge.

Warnung vor Missbrauch antiviraler Medikamente

Die einzigen Medikamente auf dem Markt, die Infizierten bisher helfen können sind sogenannte Neuraminidasehemmer wie Oseltamivir (Tamiflu) oder Zanamivir (Relenza). Nach bisherigen Erkenntnissen spreche der Erreger auf diese Mittel an, die auch eingesetzt würden, um die saisonale Grippe zu behandeln, sagte Jörg Hacker, Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI). Er warnte aber vor einem Missbrauch dieser verschreibungspflichtigen Medikamente: “Man sollte die Mittel nur unter ärztlicher Aufsicht nehmen. Es ist sehr wichtig, dass sie richtig dosiert werden”, betonte er. Eine Prophylaxe sei nur dann sinnvoll, wenn sie ausdrücklich von Ärzten oder dem öffentlichen Gesundheitsdienst angeraten werde.

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