Flagge Österreich Flagge Österreich
Mittwoch, 20. September 2017
Besser Länger Leben » Gesund und Fit » Roboter in Altenpflege künftig unverzichtbar ?

Roboter in Altenpflege künftig unverzichtbar ?

1304682339708l1425 Roboter in Altenpflege künftig unverzichtbar ?Experte: Technologie wird direkte menschliche Kontakte erleichtern

Die zunehmende Überalterung der Gesellschaft braucht die Robotik, um ihre negativen Effekte abzufedern. Das betont Frank Wallhoff, Leiter des neu gegründeten Studiengangs Assistive Technologien der Jade Hochschule http://www.jade-hs.de . “Roboter bieten eine mögliche Lösung für den enormen Pflegekräftemangel der Zukunft. Wo ihr Einsatz sinnvoll ist, können sie in der Betreuung Teiltätigkeiten übernehmen. Die menschlichen Pfleger sollen sich dadurch wieder mehr auf ihre wichtigste Stärke konzentrieren können – die soziale Kommunikation“, so der Experte.

Wall-E statt Terminator

Auch wenn assistive Technologien in der Pflege im Aufwind sind, ringt die Technologie derzeit noch oft um Akzeptanz. “Viele assoziieren beim Wort Roboter sofort gruselige Szenarien a la Terminator. Vielmehr dürfte das Bild des Wall-E zutreffen, der durch die Erde fährt und sie aufräumt“, betont Wallhoff. Anhand der Automobilindustrie erkenne man, wie unscheinbar sich unterstützende Technologien in Aufgaben eingliedern lassen. “Trotz ABS-Bremskraft und Servolenkung, die bestimmte Mikrofunktionen besser erledigen als der Mensch, denkt weiterhin jeder, er lenke selbst.”

Die Zukunft in der Altenpflege wird von mehr Eigenverantwortlichkeit geprägt sein, ist der Experte überzeugt. “Das Hotelgefühl, das man heute in Krankenhäusern vorfindet, wird verschwinden. Auch im stationären Bereich wird mehr Aktivität, Selbstbedienung und auch mehr Selbstbestimmung Einzug halten.” Für die Vollautomatisierung eignen sich besonders manuell-organisatorische Aufgaben wie die Verteilung von Essenscontainern, die Reinigung der Essbestecken und OP-Materialien, jedoch auch Tätigkeiten wie Waschen oder Toilettegang, für die sich menschliche Pfleger als “nicht unverzichtbar” sehen.

Roboter-Robbe öffnet verschlossenen Mund

Ein spezielles Beispiel einer assistiven Zukunftstechnologie ist der 2004 in Japan entwickelte Paro-Roboter, der einem Robbenbaby nachempfunden ist. Berührungs- und Lichtsensoren leiten Signale an zwei 32-bit RISC Prozessoren unter dem Fell, die wiederum Bewegungswandler und Mikrophone steuern. Der Roboter registriert somit auf Licht, Stimme oder Streicheln, kann Namen lernen und reagiert darauf mit Schwanz- und Augenbewegungen sowie mit typischen Lauten einer Baby-Sattelrobbe.

“Paro bewirkt etwa bei vielen Demenzkranken, die nicht mehr reden und in Folge kaum vom Pflegepersonal ansprechbar sind, dass sie plötzlich wieder zu reden beginnen. Denn in weniger als einer Minute verändert die Interaktion beim Anwender die Hirnströme”, so Wallhoff. Der Ansatz dazu stammt aus der Tiertherapie. Derselbe Effekt würde auch bei einem Haustier eintreten, wobei Roboter bloß geduldiger und unsensibler auf unsanfte Behandlung reagieren als ein echte Tiere.

Kein Menschenersatz

Doch selbst Paro ist weder Zweck für sich, noch ein Medikament. Wallhoff bezeichnet die Robbe als Katalysator und Türöffner. “Es bringt keine Heilung, wenn man einem Patienten über Stunden die Paro-Robbe ins Pflegebett gibt. Das Interesse an ihr fällt mit der Zeit und sie wird dann wieder als Sachobjekt gesehen. Wichtig ist daher das Ritual der Übergabe durch den Pfleger, die soziale Situation sowie auch das Achten auf die Befindlichkeit des Patienten, denn nicht jeder reagiert positiv. Ziel ist es, dass sich dabei die Situation zwischen Pfleger und Gepflegtem bessert.” Zehn Roboter-Robben sind derzeit in Deutschland im Einsatz – teils in Hochschulen und Unis, teils in Pflegeeinrichtungen.

pte

Share