Flagge Österreich Flagge Österreich
Dienstag, 23. Mai 2017
Besser Länger Leben » Interviews » Was meint R. Mitterlehner

Was meint R. Mitterlehner

HBM Wiener Bezirkszeitung 1 685x1024 Was meint R. Mitterlehner

© Wiener Bezirkszeitung

Zu zukünftigen Pensionsentwicklungen, wir sprachen mit dem Vizekanzler.

BLL: Was ist aus Ihrer Sicht das grundsätzliche Problem des Pensionssystems in Österreich?

Reinhold Mitterlehner: Das faktische Pensionsalter in Österreich ist derzeit zu niedrig, wie auch der internationale Vergleich zeigt. Zuletzt lag das Pensionsantrittsalter im OECD-Schnitt für Männer bei 63,5 Jahren und für Frauen bei 62,3 Jahren. In Österreich lagen die entsprechenden Werte im Vorjahr bei 59,1 bzw. 57,1 Jahren. Um die Finanzierbarkeit zu wahren, müssen wir unser System so ausgestalten, dass es genügend Anreize bietet, länger im Erwerbsleben zu bleiben. Es darf sich nicht mehr lohnen, zum frühestmöglichen Zeitpunkt in Pension zu gehen.

BLL: Wie steht ihrer Meinung die Wirtschaft zu einem längeren Verbleib im Arbeitsprozess, geht es doch auch um höhere Kosten für den Betrieb?

Mitterlehner: Das muss nicht zwingend so sein, denn die Qualität und Erfahrung älterer Mitarbeiter bringt den Unternehmen auch Wettbewerbsvorteile. Immer mehr Betriebe erkennen das und richten ihre Strategien darauf aus. Das zeigen unter anderem Initiativen wie “Arbeit & Alter”. Damit unterstützen die Sozialpartner im Verbund mit der Industriellenvereinigung die Schaffung altersgerechter Arbeitsplätze und erzeugen dafür ein stärkeres Bewusstsein.

BLL: Was halten Sie vom Vorschlag, dass ältere Menschen einen finanziellen Anreiz für das längere Arbeiten erhalten sollen? Ist das überhaupt machbar?

Mitterlehner: Mit der Korridorpension haben wir schon im bestehenden System eine Art Bonus-Malus-Modell: Bei einem Pensionsantritt in den Lebensjahren 62 bis 65 gibt es Abschläge, ab 65 Jahren Zuschläge für die Beschäftigten. Wenn überhaupt, sollten wir neue Bonusmodelle nur für jene Personen diskutieren, die über das Regelpensionsalter hinaus arbeiten. Inwiefern das realistisch umgesetzt werden kann, ist aus meiner Sicht noch offen.

BLL: Einige Betriebe stellen ihre älteren Mitarbeiter ab 55 Jahren für Sonderaufgaben wie Mentoring, Kundenservices oder Einschulungsaufgaben für jünger Menschen ab. Ist das ihrer Meinung nach ein Ansatz für die Betriebe – wenn dies finanziell belohnt wird?

Mitterlehner: Das ist eine Frage der jeweiligen betrieblichen Organisation. Die Unternehmen müssen die Vorteile generationengerechter Lösungen am Arbeitsplatz selbst erkennen und umsetzen. Ich begrüße aber jede Initiative, die zusätzliche altersgerechte Arbeitsplätze schafft sowie auf Gesundheitsförderung und Prävention setzt.

BLL: Es geht doch hauptsächlich um die gesicherte Finanzierung der Pensionen in den nächsten Jahren. Glauben Sie, dass die Wirtschaft mit einem höheren Beitrag zur Zuzahlung einverstanden wäre?

Mitterlehner: Um die Finanzierbarkeit des Pensionssystems angesichts des demografischen Wandels langfristig zu sichern, müssen wir laufend an mehreren Schrauben drehen. Allerdings wäre eine stärkere Belastung der Unternehmen, die zur Finanzierung des Pensionssystems schon jetzt enorm viel beitragen, äußerst kontraproduktiv. Gerade jetzt dürfen wir den Aufschwung der Wirtschaft nicht durch höhere Lohnnebenkosten gefährden. Viele Betriebe stehen im internationalen Wettbewerb. Außerdem schaffen sie zusätzliche Arbeitsplätze, die für die Finanzierung des Pensionssystems ebenfalls von großer Bedeutung sind.

Danke für das Gespräch.

Share

Antworten

3 Kommentare zu “Was meint R. Mitterlehner”

  1. Otto F. sagt:

    Jetzt ist es ja herausgekommen, dass die Regierung jahrelang “geschwindelt” hat und Beamte, ÖBB, PV u.a Mitarbeiter frühzeitig in Pension geschickt haben um damit die Arbeitslosenzahlen zu schönen.
    Nun rächt sich diese Vorgehensweise und was ist die Folge? Vermutlich Pensionsanhebungen und Beitragserhöhungen.

  2. Johanna D.-K. sagt:

    Hat Herr Mitterlehner eigentlich die GERINGSTE Ahnung von der REALITÄT? Pensionsalter anheben? Wo, bitte, sind denn die ARBEITSPLÄTZE dafür – und WO sind die FIRMEN, bei denen eine Frau über fünfzig, geschweige denn mit SECHZIG, noch einen JOB bekommt???
    Die beschützenden Arbeitsplätze in der Politik-Branche sind leider größtenteils schon BESETZT.

  3. t.helga sagt:

    Hat Hr. Mitterlehner eine Ahnung, das Arbeiter schwer arbeiten, was glaubt er eigentlich dafür kriegen leute die nie einzahlen oder gar nichts haben eine Pension und mit 47 Jahren reicht´s, Beamte und Politiker können ruhig bis 80 bleiben für das was sie arbeiten aber mit der Hälfte Gehalt.

Schreibe ein Kommentar