Flagge Österreich Flagge Österreich
Mittwoch, 22. November 2017
Besser Länger Leben » Interviews » 25 Jahre Slowenien

25 Jahre Slowenien

Wir sprachen mit Botschafter S.E: Dr. A. Rahten über 25 Jahre Republik Slowenien

BLL: Herr Botschafter Dr. Andrej Rahten, wie lange sind Sie schon Botschafter in Österreich und unsere Leser wird es sicher interessieren, welche Aufgabengebiete Sie verantworten?

Dr. Rahten: Ich habe meine Stelle im September 2013 angetreten. Wien ist seit Jahrhunderten ein politisches, wirtschaftliches und intellektuelles Zentrum für die Mehrheit der mitteleuropäischen Nationen, unter ihnen auch Slowenen. Die Aufgabengebiete der Botschaft und somit auch des Botschafters sind dementsprechend vielfältig. In der ersten Linie zählen dazu Aufnahme und Aufrechterhalten sowie Festigung der fortdauernden Kontakte mit den österreichischen Staatsbehörden und die Vermittlung von Informationen über Slowenien und Möglichkeiten der Zusammenarbeit in den Bereichen gemeinsamer Interessen. Weiterhin ist für uns auch eine Gewährleistung ständiger Informiertheit der österreichischen Seite über die slowenischen Standpunkte, Entwicklungen und Interessen Sloweniens sowie das umgekehrte wichtig. Zu meiner Agenda zählen selbstverständlich auch Unterstützung unserer Wirtschaftsrätin bei der Herstellung wirtschaftlicher Kontakte zwischen Wirtschaftsvertretern beider Staaten sowie deren Förderung und Erleichterung und Organisation und Mitwirkung an slowenischen Kulturveranstaltungen in Österreich. Nicht zuletzt lege ich viel Wert auf die Pflege und Festigung der Kontakte zur slowenischen Minderheit in Österreich.

BLL: Herr Botschafter, heuer jährt sich die Gründung Slowenien zum 25. Mal. Wie haben Sie persönlich die Tage des kurzen Krieges und die Gründung der Republik Sloweniens erlebt.

RAHTEN PORTRET 21. 6. 2016 25 Jahre Slowenien

Dr. Rahten: Es bereitete mir einerseits sehr große Zufriedenheit, dass Slowenen ein so wichtiges Ziel erreicht haben, anderseits waren wir ein bisschen verunsichert wegen Drohungen der föderalen Strukturen mit den Sanktionen, sollte es zu einer Unabhängigkeit kommen. Schon am Morgen darauf gab es dann tatsächlich Panzer und Flugzeuge der Jugoslawischen Armee zu sehen. Als ich dann als Abiturient nach Ljubljana zum Informationstag der Universität gehen musste, waren einige Straßen noch immer mit anti-Panzerbarrikaden geschützt.

BLL: Es fand gerade bis 8. Juli eine sehr informative Fotodokumentation in Wien Am Hof statt, wo man viele originelle slowenische Fotomotive sehen konnte und sich quasi etwas Gusto auf einen Slowenienurlaub holen konnte. Nach Wien wird diese Ausstellung noch in Genf, Helsinki, Tallinn und Riga zu sehen sein. Wie kam diese sehr gute Idee zustande?

Dr. Rahten:  Die Ausstellung I Feel Slovenia. I Feel 25. fand zum Gedenken an das 25-jährige Jubiläum der Unabhängigkeit Sloweniens statt und war Am Hof, einem der historisch bedeutendsten Plätze der Wiener Innenstadt, zu sehen. Die Ausstellung fand schon in London und Berlin statt und wird nach Wien noch in den anderen wichtigen Städten Europas zu sehen. Die Idee war mit einer Fotoserie Slowenien von seiner wahren Seite zu zeigen – als ein kleines aber feines, grünes und aktives Land, das sich auf nachhaltige Entwicklung spezialisiert hat. Sorgfältig ausgewählte Fotografien namhafter slowenischer Fotografen erzählen ihre Geschichte. Die Ausstellung zeigt Sloweniens Reichtum an natürlichem, kulturellem und sozialem Erbe, bekannte und weniger bekannte eindrucksvolle Orte in facettenreicher Landschaft sowie die verschiedenen Tätigkeiten seiner Leute. Es handelt sich um ein sehr wichtiges gemeinsames Projekt von Büro der Kommunikation der Republik Slowenien, der Botschaft der Republik Slowenien in Wien, dem Slowenischem Kultur- und Informationszentrum (SKICA), dem Slowenischen Tourismusbüro und Slowenien Press Photo.

BLL: Österreich verbindet ja einiges mit seinem Nachbarland Slowenien, Österreich war beispielsweise beratend bei der Republikgründung, es findet ein reger Waren- und Kulturaustausch zwischen beiden Ländern statt. Viele Österreichische Unternehmen haben heute Beteiligungen und Unternehmen in Slowenien. Nicht zuletzt ist Slowenien ein gern besuchtes Land für Österreichische Urlauber und Touristen. Können Sie uns einige Zahlen und Informationen dazu geben?

Dr. Rahten: Österreich bleibt der wichtigste Investor in Slowenien.  Direktinvestitionen der österreichischen Unternehmen betragen 3,4 mrd EUR, das bedeutet einen Anteil von 33,6 % aller Auslandsdirektinvestionen in Slowenien.  Österreichische Investoren sind präsent in vielen Wirtschaftsbereichen (im Produktionssektor, im Handel, der Industrie, der Dienstleistungen). Es gibt 700 österreichischen Niederlassungen in Slowenien. Hingegen sind in Österreich 277 slowenische Niederlassungen tätig.

BLL: Wenn Sie nach einem Vierteljahrhundert nach der Gründung zurück denken an die Anfänge der Republik, wie haben Sie den Anfang erlebt und worauf sind Sie als Botschafter Sloweniens besonders stolz?

Dr. Rahten: Von der Unabhängigkeit bis zur die Etablierung des Sloweniens auf dem internationalen politischen Parkett war es ein langer Weg. Ich bin besonders stolz, dass wir nach dem schwierigen Anfang doch die internationale Anerkennung gewinnen konnten und das seitdem Slowenien seit 1992 auch ein Mitglied der Vereinten Nationen ist und seit 2004 auch ein Teil der Europäischen Union und der NATO. Unsere EU-Ratpräsidentschaft im Jahre 2008 war auch ein Erfolg. Ich bin stolz darauf, dass trotz der globalen Wirtschaftskrise die slowenische Diplomatie nicht nachgegeben hat und wir dazu beigetragen haben, das man in Slowenien wieder ein beträchtliches Wirtschaftswachtum registrieren kann.  Da sehe ich ein Zeichen, dass Slowenien und vor allem die slowenische Wirtschaftsdiplomatie ist und bleibt ein sehr wichtiger internationaler Akteur.

BLL: Was würden Sie sich in diesem Zusammenhang für die Zukunft der nächsten 25 Jahre noch wünschen? Sehen Sie hier und da Verbesserungsbedarf?

Dr. Rahten: Obwohl wir sehr stolz auf das Geleistete sind, identifizieren wir zugleich ein Verbesserungspotenzial. Zum Beispiel wurde im Jahr 2015 eine neue Strategie der slowenischen Außenpolitik abgeschlossen. Die drei wichtigsten Ziele, die aus der Startegie herausgehen, sind: Sicherheit (im Zusammenarbeit mit den internationalen Organisationen), friedliche Politik und nicht zuletzt, der Wohlstand.

BLL: Tourismus in Slowenien zählt vermutlich auch zu den größten Umsatzbringern in Slowenien. Können Sie uns die jährlichen Besucherzahlen von Österreichern die nach Slowenien reisen und die damit zusammenhängende Wertschöpfung beziffern bzw. nennen.

Dr. Rahten: Neben dem Warenhandel ist auch der Austausch von Dienstleistungen sehr lebendig. Letztes Jahr haben mehr als 24,2 mio ausländische Gäste Slowenien besucht. Die Gäste aus Österreich stellen die zweitgrößte Gruppe der Touristen dar. Ankünfte und Nächtigungen der österreichischen Touristen stellen insgesamt ungefähr 12 %  aller ausländischen Ankünfte und Nächtigungen dar. Im Jahr 2015 gab es einen Zuwachs der Ankünfte aus Österreich und auch Zuwachs der Nächtigungen von mehr als 6 %.

BLL: Aus unserer Einschätzung hat Slowenien das touristische Gesamtangebot in den letzten Jahren beträchtlich erweitert und ausgebaut. Was sind die nächsten Pläne im Tourismus?

Dr. Rahten: Den Tourismus zu fördern ist eine der Aufgaben unserer Wirtschaftsabteilung. Dafür arbeiten wir eng mit dem Slowenischen Tourismusbüro unter der Leitung von Jan Ciglenečki zusammen und verfolgen im Großen und Ganzen die aktuelle Richtlinien, wie z. B. Eco-Tourismus.

BLL: Dürfen wir Sie fragen, was sind Ihre beruflichen und privaten Ziele für die nächste zeit?

Dr. Rahten: Mein Ziel ist und bleibt, mein Bestes zu geben. Es bereitet mir der Stolz als slowenischer Diplomat täglich bei meiner Arbeit die slowenische Flagge zu sehen und im Interesse Sloweniens zu fungieren. Es steht noch nicht sicher, wohin der Weg nach meinem Botschaftermandat führt. Zuerst möchte aber ich noch einige interessante Projekte in Wien ausführen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Foto: © Vincenc Gotthard


Share

Antworten

Ein Kommentar zu “25 Jahre Slowenien”

  1. Manfred P. sagt:

    Ich habe damals vor 25 Jahren in Laibach es selbst erlebt. Man glaubt es heute nicht mehr, Panzer sind aufgefahren, Flugzeuge kreisten über der Stadt. Es war sehr angespannt, doch Gott sei dank nach einigen tagen war alles vorbei. Slowenien ist zwar ein kleines Land, doch landschaftlich sehr schön, die Menschen sind sehr freundlich und ich fahre immer gerne hin.

Schreibe ein Kommentar