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Mittwoch, 22. November 2017
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Caritas Präsident Küberl zur Altersarmut in Österreich

13 Caritas Präsident Küberl zur Altersarmut in Österreich

„Es geht darum, hinzuschauen“ Caritas-Präsident Franz Küberl über notwendige Zeichen der Solidarität, die Armutsgefährdung bei älteren Menschen und „Sinn-volle“ Weihnachtsgeschenke

Besser länger leben: Herr Präsident Küberl, die Caritas weist immer wieder auf den größer werdenden Anteil der Bevölkerung hin, die in die Armutsfalle geraten. Wie sind die Zahlen wirklich und welche Gründe führen meist dazu?

Küberl: Laut Statistik Austria müssen derzeit 488.000 Menschen in Österreich in manifester Armut leben. Dazu kommt etwa eine halbe Million an Menschen, die gefährdet sind, in Armut abzurutschen. Besonders betroffen sind Familien mit vielen Kindern,  Alleinerzieherinnen, langzeitarbeitslose Menschen und Menschen mit Migrationshintergrund. Armut kann aber unser Erfahrung nach jeden treffen: Jobverlust, ein Todesfall in der Familie , eine schwere Krankheit – solche Schicksalsschläge können Menschen schneller aus der Bahn werfen, als man das vielleicht wahrhaben möchte.

Besser länger leben: Ab wann bzw. bei welchem Einkommen ist man in Österreich armutsgefährdet?

Küberl: Laut dem EU-Programm „SILC“, das eine europaweit vergleichbare Armutsgrenze vorgibt, liegt die Armutsgrenze in Österreich derzeit  bei 852 Euro (netto 14mal im Jahr, inklusive aller staatlichen Transferleistungen).

Besser länger leben: Betrifft das auch ältere Menschen und warum kommen dies Menschen in Probleme und wie kann die Caritas hier helfen?

Küberl: Grundsätzlich ist die Mindestpension, die wir in Österreich haben (Stichwort: Ausgleichszulagenrichtsatz von derzeit 793,40 Euro netto. 14mal im Jahr)ist ein sehr gutes System, um Altersarmut vorzubeugen. Ein Problem gibt es aber bei alleinstehenden Frauen, die keinen eigenen Pensionsanspruch erworben haben, etwa, weil sie sich die Kinder gekümmert habe. Auch Pflegebedürftigkeit kann in die Armutsfalle führen. Notleidende Menschen, die sich an unsere Sozialberatungsstellen wenden, stehen wir mit Finanzhilfen und kompetenter Beratung zur Seite.

Besser länger leben: Der Wort Schuldenbremse ist in aller Munde, befürchten Sie nicht dass dabei an den Sozialen Ausgaben gekürzt wird und es noch mehr Menschen treffen könnte, die armutsgefährdet sind?

Küberl: Sparen ist wichtig, keine Frage. Ich befürchte aber, dass vor allem dort gespart wird, wo Menschen keine Lobby haben, also bei jenen, die ohnehin benachteiligt sind. Und genau das darf nicht passieren. Kernaufgaben des Sozialstaates wie Bildungsmaßnahmen oder die Mindestsicherung dürfen nicht angetastet werden. Das Sparen darf nicht auf Kosten der Armen gehen.

Besser länger leben: Die Caritas lebt zu einem wichtigen  Teil von Spenden – wie kann man nun in Not geratenden Menschen helfen? Welche Aktionen bieten sich hierfür an?

Küberl: Zunächst möchte ich betonen, dass es nicht nur um Geld geht. Jede Freiwilligentätigkeit, jedes gute Wort, jedes Gebet hilft mit, das Netz der Solidarität in Österreich dichter zu weben. Wer spenden möchte und kann, der kann das derzeit zum Beispiel mit unserer Weihnachtsaktion „Schenken mit Sinn“ tun. Unter www.caritas.at/shop gibt es die Möglichkeit, im Namen eines Verwandten oder Freundes beispielsweise einen Esel für eine äthiopische Familie oder auch ein Babystartpaket für eine notleidende Mutter in Österreich zu kaufen.  Das ist eine beliebte Geschenksidee, für jene, die  sinnvoll schenken möchten.

Besser länger leben: Im Moment wird über Reichensteuer, Ausgabenkürzungen und Steueranpassungen gesprochen – wie würde ihr Modell für Österreich aus unter Berücksichtigung von sozialen Aspekten?

Küberl: Für die Details sind die Wirtschafts- und Steuerexperten der Regierung zuständig. Als Caritas-Mann möchte ich aber darauf aufmerksam machen, dass wir derzeit in Österreich eine dramatische Schieflage haben, die uns auch zum OECD-Schlusslicht macht: Erträge aus Arbeit werden derzeit ungleich mehr mit Steuern und Abgaben belastet als Erträge aus Vermögen. Das muss sich ändern, damit die Kluft zwischen Armen und Reichen nicht noch größer wird.

Besser länger leben: Die Advent- und Weihnachtszeit ist generell eine Zeit zum Nachdenken da es auch ältere Menschen in unserem Land gibt, denen es nicht so gut geht. Welche Hilfestellung bieten Sie an und wohin kann man sich wenden?

Küberl: Zunächst einmal geht es darum, nicht wegzuschauen, sondern hinzuschauen, ob beispielsweise die ältere Nachbarin oder der Mann, den ich im Supermarkt treffe, etwas Unterstützung braucht. Wenn jeder Augen und Herz für die Bedürfnisse der Mitmenschen offen hält, ist schon viel getan. Als Organisation haben wir ein vielfältiges Unterstützungsangebot im Bereich der Betreuung und Pflege. Dabei geht es immer darum, den Menschen in seiner Würde in den Mittelpunkt zu stellen. Um sich über konkrete Angebote zu informieren sollte man sich am besten an die Caritas seiner Diözese wenden (Infos auch unter: http://www.caritas.at/hilfe-einrichtungen/betreuung-und-pflege/)

Besser länger leben: Wie werden Sie die Weihnachtstage verbringen und was sind Ihre beruflichen und privaten Ziele für das Jahr 2012?

KüberL. Wenn es geht, werde ich die Weihnachtstage vornehmlich im Kreise der Familie verbringen. Beruflich hoffe ich, dass ich meinen Anteil dazu leisten kann, dass die Caritas auch 2012 die ihr gestellten Aufgaben im Sinne der benachteiligten Menschen gut bewältigen kann. Private Ziele sind eine Menge Bücher, die ich gerne lesen täte, eine Reihe von Bergen, die ich erklimmen möchte, Familiäres, Theater, und hoffentlich einige „ertragreiche“ Tarockabende.

Danke für das Gespräch!

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Ein Kommentar zu “Caritas Präsident Küberl zur Altersarmut in Österreich”

  1. Peter M sagt:

    Hoffe das auch die Politik und Politikzentren das lesen wird und beim anstehenden Sparpaket danach handeln.

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