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Samstag, 21. Oktober 2017
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Dipl. Ing. Hans Haider KEEP YOUR LIFE SIMPLE!

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Dipl. Ing. Hans Haider

Seine Augen leuchten wie die eines 20-Jährigen: Mit 67 Jahren startet Dipl.-Ing. Hans Haider, am Höhepunkt seiner Karriere Generaldirektor des Verbundkonzerns, noch einmal durch. Er hat soeben die „Hans Haider Consulting GmbH“ gegründet, eine Firma für Beratung in Energiefragen. Und die Kunden sind auch schon angestellt – aber der Reihe nach:

Es ist eine Bilderbuchkarriere mit einem einzigen Schönheitsfehler: 1942 in der 4000 Seelen-Gemeinde Oberneukirchen nördlich von Linz als Sohn eines Webereibesitzers geboren, trieb es den Technik-Interessierten nach Gymnasium samt Internat in Wilhering an die TU in Wien. Gewohnt wurde im Studentenheim in der Pfeilgasse, Tür an Tür mit dem heutigen Böhler Uddeholm-Chef und Nationalbank Präsidenten Claus Raidl.

Der erste Job als Neo-Diplomingenieur führt den Oberösterreicher zu Siemens Österreich, ins Kabelwerk. Dem österreichischen Paradeunternehmen bleibt er mehr als 20 Jahre treu – bis hinauf in die Position eines Vorstandsmitglieds. 18 unterschiedliche Jobs hat Hans Haider auf der Karriereleiter bedient. Im Vorstand war er dann für das „Professionelle Audio- und Videogeschäft“ verantwortlich. Da wurde etwa das Tonstudio von Michel Jackson oder das Olympia-Zentrum in Sarajewo mit Siemens-Technik eingerichtet.

1993 ereilte ihn dann der Ruf an die Spitze der Verbundgesellschaft. Und er machte aus dem monopolistischen Stromversorger einen internationalen Energiekonzern mit Tochterfirmen in Italien, Frankreich und der Türkei und Handelsgesellschaften in unzähligen Ländern. Der Gewinn des Unternehmens stieg von Null auf eine Milliarde Euro im Jahr, die durch die EU hereinbrechende Liberalisierung des Energiemarktes nutzte Haider zu Rationalisierung und Modernisierung.

Nach seinem Abgang vom Verbund im Jahre 2007 dachte der im noblen Ober Sankt Veit wohnende Hans Haider nicht ans Nichtstun, sondern flugs war eine neue Führungsaufgabe da: Gemeinsam mit Julius Meinl V und Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser wurde die Meinl International Power aus der Taufe gehoben, Haider war wieder „Chairman of the Board“, also oberster Manager. Der Rest der traurigen Geschichte ist bekannt: Nach unerfreulichen Auseinandersetzungen mit Aktionären war das Meinl-Abenteuer 2008 zuende.

Und was sagt Top-Manager Hans Haider heute zu diesem Ausflug und zur Frage des Älterwerdens? Franz M. Bogner sprach mit ihm darüber:

BLL: Wie sehen Sie heute Ihre Entscheidung, sich mit den Herren Meinl und Grasser auf eine Firmen-Neugründung einzulassen?

Haider: Wenn ich gewusst hätte, was mich dort erwartet, hätte ich mich dafür sicher nicht hergegeben.

BLL: Aber Sie sind doch ein erfahrener Manager und haben die Herren vorher gut gekannt. Wie konnte das passieren?

Haider: Was mir beim Start der Meinl International Power nicht klar war, war die Tatsache, dass Hedge Fonds alles taten, um an unsere Cashbestände heranzukommen. Zusätzlich hat die Finanzkrise und der Wirbel um Meinl European Land sehr geschadet.

BLL: Sie sind einerseits ein Familienmensch, andererseits mit Leib und Seele „Unternehmer“. Wie passt das zusammen?

Haider: Ich bin seit über 40 Jahren glücklich verheiratet – habe zwei erwachsene erfolgreiche Söhne – das gibt mir die Kraft für meine beruflichen Ambitionen.

BLL: Sie könnten es sich aber jetzt gut gehen lassen und so wie andere Ex-Wirtschaftskapitäne die Zeit mit Golfspielen und Reisen verbringen…..

Haider: Seit ich vom Verbund weg bin, komme ich in der Tat wirklich zum Golfspielen, Reisen und zu mehr Opern- und Konzertbesuchen. Derzeit versuche ich die neue Aufgabe in meiner Beratungsfirma als Halbtagsjob zu erledigen. Aber ich habe dazu eine klare Meinung: Wenn man älter wird, soll man sich nicht aufs Altenteil zurückziehen und nur Hobbys nachgehen. Ich brauche jedenfalls auch die geistige Herausforderung – und ich habe mich ja immer als Unternehmer gefühlt, auch als angestellter Manager.

BLL: Aber wie machen Sie das jetzt mit Ihrer Firma? Früher haben Sie einen Stab gehabt, Sekretärinnen, Chauffeur und so weiter.

Haider: Ja, das ist ein gewisses Problem. Jetzt arbeite ich eben von zuhause aus und mache mir auch die Büroarbeit selber, da bin ich mir nicht zu gut. Aber ich denke schon wieder daran, Mitarbeiter anzustellen.

BLL: Geht die neue Energieberatungsfirma so gut?

Haider: Wenn ich vor 2 Jahren gewusst hätte, wie groß dieser Markt ist, hätte ich das gleich gemacht. Derzeit berate ich bereits drei Kunden, darunter ein amerikanisches und zwei österreichische Unternehmen.

BLL: Was gibt es noch an Hobbys?

Haider: Seit Ewigkeiten sammle ich Briefmarken, und das sehr intensiv. Was Reisen betrifft, war ich zwar beruflich überall auf der Welt, aber China und Indien möchte ich mir noch in Ruhe ansehen. Und ein zweitesmal würde ich gerne ins Okawango-Delta in Afrika und zum Great Barriere Reef in Australien reisen.

BLL: Sie sind ja auch ein fleißiger Besucher der Salzburger Festspiele und anderer Kulturevents. Wo liegen hier Ihre Vorlieben?

Haider: Bei Oper liebe ich Wagner und wenn ich ins Konzert gehe, verehre ich Beethoven

BLL: Und haben Sie gewisse Prinzipien, um ohne Probleme älter zu werden?

Haider: Da gibt es zwei: „Keep your life simple“ und „gesund leben“, also viel Bewegung, mäßig essen und trinken.

BLL: Sonstige Gesundheitstipps?

Haider: Keine besonderen. Ich esse praktisch alles, aber eben mäßig – außer Reisfleisch und Krautfleisch, da bin ich Kindheits-traumatisiert.

Danke für das Gespräch

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