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Dienstag, 17. Oktober 2017
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Golfer Bernd Wiesberger

Aktuell die Nr. 33 der Golfwelt. Er ist der große Favorit auf den Turniersieg bei den heurigen Lyoness Open powered by Organic+ vom 8. bis 11. Juni, ist Österreichs erfolgreichster Golfer und unumstrittene Nummer 1: Bernd Wiesberger spielt derzeit wohl in der Form seines Lebens. Warum er sich momentan so stark fühlt, wie oft es bei ihm „Chill-Tage“ gibt und was er beruflich geworden wäre, wenn es mit der Golfkarriere nicht geklappt hätte, erzählt der 31-jährige Burgenländer im folgenden Interview, in dem es nicht immer nur um Golf geht.

Sieg in Shenzhen, Platz 4 bei den China Open, Platz 12 bei der Players Championship – man kann sagen, du bist derzeit in der Form deines Lebens. Siehst du das auch so?

Wiesberger: Ich fühle mich bereits seit längerem sehr wohl mit meinem Spiel. Vor allem beim Tee to Green ist es aktuell sehr solide und ich kann mich auf meine Schläge verlassen. Leider haben die Turnierergebnisse diese Konstanz nicht immer aufgezeigt. Umso mehr bestätigten die letzten Turniere, dass ich auf dem richtigen Weg bin und auch bei großen Turnieren vorne mitspielen kann.

Wo gibt es trotz allem derzeit noch Verbesserungspotential?

Wiesberger: Verbesserungspotential gibt es immer und überall. Über eine ganze Saison gesehen können kleine Abweichungen in den Statistiken einen Riesenunterschied machen. Daher versuche ich, kontinuierlich in allen Bereichen meines Spiels zu arbeiten und Drives besser zu kontrollieren, Eisen näher an die Fahne zu legen und Putts souveräner zu lochen. Wenn man hier schläft, kann es sehr schnell in die andere Richtung gehen.

Wann kann man eigentlich sagen, dass man „perfektes Golf“ spielt? Oder gibt es diesen Ausdruck im Golf gar nicht?

Wiesberger: „Perfektes Golf“ ist schwierig zu definieren, weil man fast jeden Schlag theoretisch näher ans Loch bringen könnte. Es gibt aber Situationen, in denen man einfach im Flow ist und alles zu funktionieren scheint. So ist es mir zum Beispiel bei meinen neun Birdies hintereinander in Kuala Lumpur ergangen. Man hat dann einfach das Gefühl, dass alles geht und auch aus nicht idealen Situationen kann man sich „selbstverständlich“ befreien. Wenn dann auch noch die Putts fallen, dann steht einem tiefen Score meistens kaum etwas im Weg.

Was sind die entscheidenden Faktoren, warum es gerade so wunderbar läuft bei dir?

Wiesberger: Ich glaube, dass meine derzeitige Form das Ergebnis fokussierter, kontinuierlicher Arbeit ist. Es war ja nicht so, dass ich etwas am Schwung geändert habe und plötzlich war alles besser. Mein Golf ist bereits seit längerem sehr zufriedenstellend, allerdings muss man die Änderungen aus dem Training auch auf den Platz umlegen. Bis man sich zu 100% wohlfühlt und auch in Drucksituationen darauf vertraut, dass man gewisse Schläge drauf hat, kann es schon eine Zeit lang dauern.

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Was du dir für die Lyoness Open vornimmst, brauchen wir nicht zu fragen… daher eher die Frage: Wird die Vorbereitung heuer anders verlaufen oder ähnlich den Vorjahren?

Wiesberger: Natürlich sind die Lyoness Open eine ganz besondere Woche in meinem Turnierkalender. Es ist immer besonders schön vor Heimpublikum zu spielen und den vollen Support der Golffans zu bekommen. Allerdings wäre es für mich falsch, die Vorbereitung deshalb zu verändern. Ganz sachlich betrachtet ist es eine Woche wie jede andere und ich versuche mich auch dementsprechend darauf vorzubereiten. In meiner Routine geht es sehr viel um Timing und Rhythmus und daher bemühe ich mich, diesen immer gleich zu lassen. Die Medienaufmerksamkeit ist in Österreich natürlich eine größere und diese Termine versuche ich bestmöglich einzuplanen.

Mit Matthias Schwab wagt ein großes Golftalent Österreichs den Sprung in die Profiwelt. Was traust du ihm bei den Lyoness Open zu und wie siehst du generell sein Potential?

Wiesberger: Persönlich finde ich es toll, dass Matthias den Schritt ins Profilager macht und dies noch dazu bei seinem Heimturneir. Natürlich hoffe ich auch, dass sein Antreten viele Fans aus der Steiermark anreisen lässt und er den Support bekommt, den er verdient. Als Amateur hat er ja bereits in Amerika und Europa bewiesen, dass er großes Potential hat und auch vor großen Challenges nicht zurückschrickt. Ich will mich auf keine Zahlen festlegen, glaube aber, dass er für die eine oder andere Überraschung sorgen kann.

Du bestreitest heuer dein zwölftes Jahr als Pro, seit sieben Jahren bist du Fixbestandteil der European Tour. Wie sehr hat sich die Tour seitdem verändert? Was hat sich verändert?

Wiesberger: Das Leben auf der Tour und vor allem mein Leben auf der Tour hat sich über diesen Zeitraum sehr verändert. Von den Anfängen, in denen man um Starts zittern muss, auf Cuts hofft und immer um die Tourkarte bangen muss, zu einer Position, in der ich relativ frei aufspielen und auch die Turniere mehr genießen kann. Es ist für mich ein großes Privileg, dass ich in einer Situation bin, in der ich meine Turniere auf der European Tour frei auswählen, Major und WGC-Events spielen und auch bei einigen PGA-Tour-Events aufteen darf.

Natürlich hat sich in diesem langen Zeitraum auch die Tour selbst verändert. Turniere werden größer, die Übertragungen im TV ändern sich, man kümmert sich mehr um die Spieler und mit der Rolex Series wurde ein neuer Maßstab für European-Tour-Events gesetzt. Auch Formate und Rahmenprogrammpunkte während diverser Turnierwochen wären zu meinen Anfängen so wahrscheinlich nicht denkbar gewesen. Grundsätzlich glaube ich, dass es wichtig ist, die European Tour in eine moderne Richtung weiterzuführen, ohne dabei auf die klassischen Aspekte eines professionellen Golfturniers zu vergessen – die richtige Mischung macht es aus.

Wenn du drei entscheidende Veränderungen auf der European Tour durchführen könntest – welche wären das?

Wiesberger: Dank meiner Position im Players Board bin ich in der Lage, die Entwicklung der European Tour zu einem gewissen Maß mitzubestimmen. Hier wurden und werden laufend gewisse Änderungen beschlossen, welche für manche Spieler von Vorteil, für andere von Nachteil sind. Natürlich sind dies nicht immer leichte Entscheidungen, allerdings muss man ein Ziel haben, in welche Richtung man sich entwickeln soll. Persönlich bin ich ein Verfechter des schnellen Spiels und würde es gut finden, dass man auch die Tour-Spieler in diese Richtung erzieht.

Wie viele Tage im Jahr gibt es eigentlich, an denen du keinen Golfschläger in der Hand hältst? Also an denen das Bag tatsächlich in der Ecke steht und nicht angerührt wird…

Wiesberger: Gezählt habe ich diese Tage noch nie, aber sie sind sehr überschaubar. Das Schöne an meinem Job ist, dass er mir noch immer sehr viel Spaß macht und ich versuche, Abwechslung in meinen Trainingsalltag zu bringen. Das Training und die Vorbereitung beschränken sich hier auch nicht auf das Hantieren mit Golfschlägern. Fitness und Regeneration sind ein großer Teil der „Off-Weeks“. Wenn ich von längeren Turnierserien nach Hause komme, stelle ich die Schläger auch schon mal in die Ecke, versuche mich zu entspannen und eben an diesen Bereichen zu arbeiten.

Was machst du an einem ganz einfachen „Chill-Tag“? Wie kannst du am besten und schnellsten entspannen?

Wiesberger: Wenn man so viel unterwegs ist, legt man umso mehr Wert auf Zeit mit Freunden und Familie. Daher unternehme ich gerne etwas mit meiner Freundin, lenke mich mit anderen Sportarten ab und genieße die Zeit abseits des Golfplatzes. Es fällt mir im Burgenland sehr leicht, richtig abzuschalten und Natur und Freizeit zu genießen.

Als Golfer blickt man stets von Turnier zu Turnier. Wenn du dennoch in die Zukunft blicken musst – was sind deine langfristigen Ziele für die nächsten Jahre?

Wiesberger: Natürlich ist es wichtig, sich selbst kurz-, mittel- und langfristige Ziele zu setzen. Diese beziehen sich jedoch eher auf mein Spiel als auf irgendwelche Ergebnisse. Wenn das Spiel passt, dann kommen die Erfolge von selbst. Ziel ist es, mir möglichst viele Chancen zu erarbeiten und diese bestmöglich zu nutzen. Mit zu konkreten Zielen bezüglich Erfolge macht man sich selbst zu viel Druck und verliert das Spiel aus den Augen.

Du bist viel in der Welt herumgekommen, hast unzählige Plätze gesehen. Welcher ist für dich der beeindruckendste Golfplatz?

Wiesberger: Als Playing Professional auf der European und PGA Tour hat man das Privileg, dass man sehr viele tolle Golfplätze spielen darf. Diese können je nach Region oder Kontinent sehr verschieden sein, wobei alle Kurse etwas für sich haben. Angefangen vom Platz in den Schweizer Alpen über Wüstenkurse in den Emiraten und Links-Plätzen in Schottland, es ist von allem etwas dabei. Einen einzigen Platz als meinen Favoriten auszuwählen, ist schwierig, aber es wären auf alle Fälle Kingston Heath, St. Andrews und Augusta National in der engeren Auswahl.

Und welchen Moment in deiner Golfkarriere wirst du nie vergessen? Wovon wirst du auch in 50 Jahren noch erzählen?

Wiesberger: Natürlich haben die Siege einen besonderen Stellenwert in meiner bisherigen Karriere. Der erste Sieg in Korea war besonders wichtig, allerdings steht diesem der Sieg bei den Lyoness Open 2012 um nichts nach. Auch die Siege in Frankreich und Shenzhen kamen in für mich sehr wichtigen Momenten und haben mir die Tür in die Top 50 der Welt geöffnet. Allerdings denke ich auch gerne an diverse Amateurevents mit dem Nationalteam und meinen Teamkollegen und -coaches zurück. Und dann hoffe ich, dass ich in 50 Jahren auch von einem Major-Titel oder Ryder-Cup-Sieg erzählen darf.

Welchen internationalen Topstar würdest du gerne einmal persönlich kennenlernen?

Wiesberger: Ich bin ein großer Sportfan und verfolge viele unterschiedliche Sportarten, von Tennis über Basketball usw. Da kommt man natürlich schnell auf den „Maestro“ Roger Federer. Seine Leistungen im Tennis stehen für sich und er ist seit jeher ein tolles Rolemodell für den Nachwuchs.

Wenn es mit einer Golfkarriere nicht geklappt hätte – was würdest du heute beruflich machen?

Wiesberger: Seit jeher habe ich ein gewisses Faible für Formen und Architektur. Daher glaube ich, dass ich mich auch beruflich in diese Richtung entwickelt hätte.

Gibt es einen Lieblings-Burgenländer-Witz für dich?

Wiesberger: Es gibt viele gute Burgenländer-Witze, welche ich als Burgenländer natürlich nicht erzählen kann. Das Schöne an diesen Witzen ist, dass sie alle nicht stimmen! ;-)

Wenn du für einen Tag Bundeskanzler wärst – was würdest du alles ändern wollen?

Wiesberger: Als Sportler sehe ich meine Rolle nicht unbedingt im politischen Involvement und behalte daher meine Meinung diesbezüglich auch gerne für mich.

Der erste Pokal oder die erste Medaille bleiben einem meistens in Erinnerung. Weißt du noch, wo du deine erste Trophäe gewonnen hast? Steht diese noch wo?

Wiesberger: In meiner Kindheit habe ich immer viel Sport gemacht und hatte bereits vor meinem Start im Golf die eine oder andere Medaille im Judo oder Fußball zuhause hängen. Der erste richtig große Erfolg im Golf war dann der Sieg bei der Österreichischen Schülermeisterschaft.

Könntest du dir mal vorstellen, in einem anderen Land zu leben? Wenn ja, in welchem?

Wiesberger: Aktuell bin ich so viel unterwegs, dass ich es sehr zu schätzen weiß, in Österreich zu leben. Mit der aktuellen Situation kann ich mir keine andere Heimat vorstellen. Was in ein paar Jahren ist, kann man nie wissen, aber meine Homebase wird voraussichtlich Österreich und das Burgenland bleiben.

Golf ist dein Beruf und deine Leidenschaft. Wofür hast du noch Talent bzw. Leidenschaft? Was kannst du noch besonders gut?

Wiesberger: Besondere Leidenschaft habe ich über die Jahre für Uhren entwickelt. Daran begeistert mich vor allem die Präzision und die zeitlose Eleganz im Design. Es ist faszinierend, mit welcher Präzision Uhrenmacher seit Jahrzehnten Uhrwerke herstellen und dies von außen so simpel wirken lassen. Daher bin ich auch besonders froh, dass ich mit Audemars Piguet einen Partner habe, der dieselbe Leidenschaft teilt. Ansonsten betreibe ich sehr gerne Ballsportarten wie Basketball, Tennis oder Tischtennis. Im Winter steht, sofern möglich, Skifahren am Plan.

Welche Ratschläge würdest du einem achtjährigen Kind geben, das Golfprofi werden will?

Wiesberger: Spaß haben! Wenn einem etwas keinen Spaß macht, dann kann man darin nicht gut werden. Für mich war es immer besonders wichtig, dass ich nie die Freude verliere an dem, was ich tue. Natürlich gibt es im Laufe einer Karriere Situationen, in denen einem das nicht leicht fällt, aber die Leidenschaft für das, was man tut, lässt einen auch diese Momente überstehen.

Am 8. Oktober 1985 wurde – so wie du – der Sänger Bruno Mars geboren. Ist das Musik, die du auch hörst? Oder liegt dein Geschmack ganz woanders?

Wiesberger: In Bezug auf Musik bin ich ein klassischer Radiohörer und kann mich fast mit jeder Art von Musik anfreunden. Allerdings bin ich seit jeher Fan von rockiger Musik wie etwa Red Hot Chili Peppers.

Was war dein schlimmster Lausbubenstreich?

Wiesberger: Ich glaube nicht, dass ich als Bub viel schlimme Sachen angestellt habe und wenn, dann bleibt das jetzt besser eher unter Verschluss – bis jetzt ist mir ja noch niemand draufgekommen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Foto: GEPA

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