Flagge Österreich Flagge Österreich
Montag, 26. Juni 2017
Besser Länger Leben » Interviews » Abtprimas Backovsky

Abtprimas Backovsky

backovsky Skarwan Abtprimas Backovsky gibt einen Einblick in die vielfältigen Aufgaben des Chorherrenstiftes Klosterneuburg.

BLL: Herr Prälat Backovsky können Sie unseren Lesern einen Einblick in die umfassenden Aufgaben und Tätigkeiten im Stift und in den Pfarreien der Chorherren geben und können Sie uns kurz etwas über die „Augustinusregel“ nach der die Chorherren leben, erzählen?

Prälat Backovsky: Der Orden der Augustiner Chorherren ist eine Priestergemeinschaft – ursprünglich eben am Bischofsitz des Hl. Augustinus im 4. Jahrhundert. Die Augustinus-Regel schreibt die Grundregeln für diese Gemeinschaft vor, etwa wie diese Gemeinschaft zum Ausdruck kommen und mit Leben erfüllt werden soll: so z.B.  die gemeinsamen Gebete, aber auch die gemeinsamen Mahlzeiten.

Der Großteil der aktiven Chorherren unseres Stiftes steht in der Seelsorge und betreut Pfarren. Damit wird diese Gemeinschaft auch schon wieder eingeschränkt: Der Pfarrer von Hietzing kann nicht jeden Tag zum gemeinsamen Essen kommen, der im Waldviertel noch weniger und die im Ausland arbeitenden schon gar nicht.

Die Pfarrseelsorge beschränkt sich natürlich nicht auf den Gottesdienst am Sonntag. Vielmehr gibt es da ein ziemlich umfassendes Programm: Arbeit mit den verschiedenen Pfarrgruppen, Finanzgebahrung, Gespräche mit unterschiedlichsten Menschen über vielfältige Probleme, Verhandlungen über Renovierungen,. Vielfach ist das ein Managerposten.

Ausschließlich im Stift sind nur ganz wenige Chorherren beschäftigt: Der für die Wirtschaft zuständige Kämmerer (der aber früher auch zugleich Pfarrer war), der Kustos der stiftlichen Sammlungen, der Novizenmeister und der Propst.

BLL: Wie viele Ordensitze und Pfarreien zählen zu Ihrem Verantwortungsbereich?

Prälat Backovsky: Das Stift Klosterneuburg betreut 24 Pfarren in Wien und Niederösterreich, eine in Norwegen und zwei in den USA

BLL: Muss sich das Chorherren Stift Sorgen um den Nachwuchs der Novizen machen und woher kommen diese jungen Menschen? Wie hoch ist jeweils die Anzahl an Jungen und Älteren Chorherren? Welche Voraussetzung braucht man um als Chorherr aufgenommen zu werden?

Prälat Backovsky: Natürlich könnten mehr einen geistlichen Beruf wählen – aber dem Stift Klosterneuburg geht es relativ gut, denn wir haben jedes Jahr Novizen.

Wer Interesse hat, in unser Stift einzutreten, kann sich melden. Er wird dann von unserem Novizenmeister in Gesprächen mit ihm und seinem Umfeld – z.B. seinem Pfarrer – „geprüft“ und kann dann als Novize in unser Stift eintreten. Als Novize kann er jederzeit auch wieder das Stift verlassen.

Nach einem Jahr als Novize leistet er dann die einfache Profess, durch die er sich auf drei Jahre an das Stift bindet, dann die feierliche oder ewige Profess, durch die er sich lebenslang verpflichtet.

Allerdings treten heute fast keine Novizen mehr gleich nach der Matura ein. Fast alle haben eine fertige Berufsausbildung und Berufserfahrung. Vom Altersschnitt her können wir zufrieden sein: Mehr als die Hälfte ist unter 50 Jahre alt, aber nur ein einziger unter 30.

BLL: Die Chorherren und das Stift Klosterneuburg verfügen auch über ein große Anzahl an Wirtschaftsbetriebe, Immobilien und Landwirtschaftliche Betriebe, können Sie uns einige davon nennen und wie viele sind das insgesamt?

Prälat Backovsky: Unser Stift wird aus den Erlösen der Wirtschaftsbetriebe finanziert und bekommt keinen Anteil vom Kirchenbeitrag. Unsere Betriebe müssen unsere Aufgaben – Seelsorge, Kultur und soziales Engagement – ermöglichen.

Die Betriebe reichen von der Immobilienbranche (Häuser und Grundstücke) über  Land- und Forstwirtschaft (Landwirtschaft, Weingut, Forst, Bio-Wärme) bis zum Kultur- und Tourismusbereich (Kulturabteilung, Orangerie, Verlag). Außerdem gibt es noch Stabsstellen (Presse und Rechtsabteilung) sowie das Kammeramt für den Konventsbereich und eine interne Verwaltung. – Insgesamt beschäftigt das Stift so rund 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

BLL: Als Magazin für Menschen über 50 interessiert es uns besonders, wie löst man die Tatsache, dass auch Chorherren älter werden, bleiben diese älteren Chorherren weiter im Stift und gibt es eine Pensionierung oder gibt es spezielle Aufgaben für die älteren Chorherren, wie beispielsweise Ausbildung der jungen Chorherren?

Prälat Backovsky: Auch Chorherren gehen in Pension – nur meist viel später als im „normalen“ Wirtschaftsleben, meist erst,  wenn sie weit über 70 sind. Viele führen dann noch eingeschränkt Aufgaben weiter, wie Aushilfe in der Seelsorge etwa. Aber alle bleiben im Stift – dafür gibt es ja auch diese Gemeinschaft.

BLL: Herr Prälat Backovsky wie können sich unsere Leser einen Tagesablauf eines Prälaten vorstellen. Können Sie uns einen Einblick in die vielseitigen Aufgaben ihres Amtes geben.

Prälat Backovsky: Den typischen Tag gibt es kaum, aber natürlich gibt es Dinge die häufig vorkommen, etwa mit meinem Sekretariat die Post durchgehen, oder Sitzungen mit den Gremien und Mitarbeitern unseres Stiftes. Dann gibt es natürlich jede Menge Termine, von Taufen oder Firmungen bis zu Begräbnissen, von Aufsichtsratssitzungen bis zu Eröffnungen und Einweihungen und Veranstaltungen im Stift. Und Besuche empfangen: Politiker, Künstler, Bittsteller, Freunde – ganz bunt gemischt. Und dann sollte auch die Gemeinschaft durch gemeinsame Gebete und gemeinsame Mahlzeiten gepflegt werden…

BLL: Dürfen wir Sie abschließend noch einige persönliche Dinge fragen? Wir haben gehört das Sie ein begeisterter Hobbykoch sind, welche ihrer Lieblingsspeisen kochen Sie besonders gerne?

Ich koche für Gäste sehr gerne Speisen mit Rindfleisch, speziell einen St. Laurent Rindsbraten, ich versuche mich aber außerhalb meiner beruflichen Verpflichtungen sehr gesund zu ernähren, fleischarm, mit viel Salat, Fisch und mageren Milchprodukten.

BLL: Was sind Ihre Ziele als Prälat und als Privatperson die sich für das kommende Jahr vornehmen?

Prälat Backovsky: Nächstes Jahr bereitet sich das Stift auf die 900-Jahr-Feier im Jahr 2014 vor. Da wird es einiges Zusätzliches zu tun geben. In meiner Funktion als Abtprimas der Internationalen Konföderation der Chorherren betrachte ich es als meine Aufgabe, während meiner Amtszeit alle Mitglieder der Konföderation wenigstens einmal persönlich zu besuchen, das heißt aber, dass ich in den kommenden Jahren sehr viel reisen sollte, das wird auch im kommenden Jahr beginnen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Share

Antworten

Ein Kommentar zu “Abtprimas Backovsky”

  1. Peter sagt:

    Das Interview finde ich sehr gut, aufschlussreich – ich wußte auch zuwenig über den Sinn und die Ziele der Chorherren. Auch die Aufgaben des Prälates wurden gut aufgezeigt. Sehr interessant und spannend.

Schreibe ein Kommentar