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Mittwoch, 26. Juli 2017
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Ayurveda Koch Volker Mehl

Er ist regelmäßig zu Gast im Ayurveda Kurzentrum Refugio dos Sonhos auf Madeira, wo er Kochkurse gibt. In dem unten stehenden Interview erzählt er uns, warum Ayurveda und Madeira so gut zusammenpassen, was die Basics des Ayurveda sind und was ayurvedische Küche bewirkt.

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In Video zum Interview erläutert er die Essenz des Ayurveda:

Volker, warum Madeira? Passen Ayurveda und Madeira zusammen?

Volker Mehl: Aus meiner Sicht gibt es nur wenig Orte in Europa, die besser zum Ayurveda passen als Madeira. Die Insel hat eine sehr friedfertige Ausstrahlung und zudem spürt man eine besonders starke Verbundenheit zur Natur. Hinzu kommt eine unheimlich schöne Pflanzen- und Kräutervielfalt, sowie ein sehr gemäßigtes und somit für den Körper stressfreies Klima. Nicht umsonst hat die Insel eine so große Heilertradition.

Was hat dich hierher geführt?

Volker Mehl: Ich war seit Jahren auf der Suche nach einem Ort im Süden für meine Akademie und hier habe ich mit dem Refugio dos Sonhos die schönste Location sowie mit Birgit Moukom die perfekte Partnerin für mein Vorhaben gefunden. Große Ayurveda-Kompetenz trifft auf tolle Räumlichkeiten, ein nettes Team, Sonne und Ruhe – optimal um sich zu entspannen und die heilsame Kraft des Ayurveda zu spüren.

Was sind die Basics des Ayurveda?

Volker Mehl: Viele Menschen können mit dem Begriff nicht so viel anfangen. Man kann Ayurveda aber ganz einfach durch Verbundenheit mit der Natur, deren Teil wir sind, ersetzen. Mein Bestreben ist es, die Leute wieder zurück zu ihrer eigenen Natur zu führen, sie dazu zu animieren, sich selbst und dass was ihnen gut tut, wiederzuentdecken. Ayurveda ist ein ganzheitlicher Ansatz, quasi ein Handbuch fürs Leben mit ganz simplen, einfach nachzuvollziehenden Maßnahmen für den Alltag.

Dein Spezialgebiet ist die ayurvedische Küche. Du hast dazu gerade das siebte Buch herausgebracht. Was ist an der ayurvedischen Küche das Besondere?

Volker Mehl: Im Ayurveda ist die Ernährung ein Energiesparmodell. Ziel ist es, möglichst wenig Energie für den Verdauungsvorgang zu verbrauchen, damit der Körper mehr für die Prävention oder Heilung von Krankheiten aufbringen kann. Wir empfehlen daher ganz pragmatisch, alle Mahlzeiten warm zu essen. Denn unsere Körper sind warm – genauso Muttermilch, die warm und süß ist. Kalte und bittere Speisen wandelt der Körper in warme und süße Nahrung um. Das kostet uns wertvolle Reserven und unser Verdauungsfeuer vermindert sich. Das Verdauungsfeuer ist im Ayurveda die zentrale Schaltstelle für unsere Lebensenergie. Nahrung warm zu essen sorgt also für einen höheren Energielevel, wodurch sich automatisch Ausstrahlung, Aussehen und Lebensfreude verbessern.

Aus Sicht des Ayurveda betrachtet: sind die neuesten Foodtrends wie grüne Smoothies und Rohkost dementsprechend ungesund?

Volker Mehl: Essen hat mittlerweile viel mit Trend zu tun – Ayurveda hingegen bietet jedoch 7.000 Jahre Vorsprung und damit auch einen riesigen Erfahrungsschatz. Aus dieser Perspektive betrachtet, sind grüne Smoothies und Rohkost nur in Maßen empfehlenswert. Beides sollte nur dann gegessen beziehungsweise getrunken werden, wenn das Verdauungsfeuer am stärksten ist, also mittags. Bei grünen Smoothies ist das Argument, dass alle Inhaltsstoffe sehr stark zerschlagen werden, kritisch zu betrachten, denn das eigentliche Gewicht der ursprünglichen pflanzlichen Strukturen bleibt dasselbe. Würde man die Menge der Nahrungsmittel, die in einem Smoothie sind kauen, käme man nur auf einen Bruchteil der Masse. Mit einem grünen Smoothie legt man also ein sehr schweres und großes Holzscheit auf sein Verdauungsfeuer. Wenn es dann noch schwach ist, geht es aus. Die Folgen sind Blähungen und Aufstoßen.

Einer Deiner Lieblingssätze ist: wer auch immer der Vater einer Krankheit war, die Mutter ist die Ernährung. Was meinst Du damit?

Volker Mehl: Ohne Ernährungsumstellung funktioniert eine Heilung nicht, da die Lebensenergie unmittelbar mit dem Verdauungsfeuer zusammenhängt. Und Energie benötigt der Körper, um zu heilen. Das gilt auch für psychische Krankheiten. Ayurveda versetzt den Körper durch Massagen, Ernährung und Heilkräuter zurück in den Zustand der Selbstheilung. Man setzt auf seine unglaubliche Leistungskraft. Natürlich ist auch durch Ayurveda nicht jede Krankheit heilbar – die Stärke ist eher die Prävention, einen Körper durch ein starkes Verdauungsfeuer so weit zu erhalten, das er jederzeit Krankheit abwehren kann. Das funktioniert für den Körper wie eine Firewall auf dem Computer: es verhindert, dass Viren eindringen. Je stärker das Feuer, desto stärker das Immunsystem, desto besser die Gesundheit.

Ein gängiges Vorurteil bezüglich ayurvedischer Ernährung ist der Glaube, man müsse im ayurvedischen auf alles, was schmeckt und Spaß macht, verzichten. Stimmt das?

Volker Mehl: Nein, denn ayurvedisches Essen ist sehr farbenfroh und abwechslungsreich. Ein Fest für die Sinne. Ein ayurvedisches Gericht sollte idealerweise alle Geschmäcker in sich vereinen, enthält also eine Vielzahl an Aromen. Natürlich sind bei einer Panchakarma-Kur die Mengen reduziert, da es ja auch um einen medizinischen Heilungsprozess geht, der Körper also möglichst entlastet werden muss, um mehr Energie für die Heilung zu haben. Aber in der alltäglichen Ernährung bietet die ayurvedische Küche eine große Vielfalt und Genuss ist ein Muss.

Was sollte aus Deiner Sicht jemand ernährungstechnisch als erstes umstellen, der sich noch nie mit ayurvedischer Ernährung befasst hat, diese aber gern ausprobieren möchte?

Volker Mehl: An das Prinzip der warmen Ernährung kann man sich einfach gewöhnen, indem man nach dem Aufstehen zwei Tassen warmes Wasser trinkt und spürt, wie gut einem die Wärme tut. Als nächstes sollte man an einem Tag der Woche warm frühstücken, zum Beispiel Pancakes, gedünstetes Obst, Getreide in jeder Form, aber auch Linsen, Reis, Suppe und Brühe. Man sollte nicht den Fehler machen, gleich die gesamte Ernährung ändern zu wollen, denn so ein Vorhaben belastet nur. Das ayurvedische Grundprinzip ist aber, zu entlasten. Lieber langsam starten und dann Schritt für Schritt auf dem Weg der Ernährungsumstellung weiterlaufen. Spüren, das eine kleine Veränderung einen Rieseneffekt haben kann.

Vielen Dank für das Gespräch!

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