BLL: Wie sieht es mit der Abfallwirtschaft in Österreich aus?
Berlakovich: In Österreich fallen jährlich rund 54 Millionen Tonnen Abfälle an. Dies stellt enorme Ansprüche an die österreichische Abfallwirtschaft. Vor allem in Bezug auf eine geordnete Erfassung und Behandlung sowie die Einhaltung der gesetzlichen Regelungen. Unsere Abfallwirtschaft gilt als sehr vorbildlich und ist ein wichtiger Teil der Umweltpolitik. Kern der österreichischen Strategie ist die Weiterentwicklung der klassischen Abfallwirtschaft – also der Beseitigung bereits angefallener Abfälle – zu einer Ressourcenbewirtschaftung, die Abfall generell vermeiden soll. Denn der erste Schritt zur Verringerung des Abfallaufkommens ist die Abfallvermeidung. Sie umfasst alle Maßnahmen, die verhindern, dass Abfall überhaupt entsteht.
BLL: Und wie schneidet unsere Abfallwirtschaft im internationalen Vergleich ab?
Berlakovich: Österreich liegt mit den Leistungen in der Abfallwirtschaft und der Altlastensanierung im internationalen Spitzenfeld. Das Prinzip dabei ist eine nachhaltige Entwicklung. Das bedeutet: Ressourcenschonung durch Wiederverwertung, Reduzierung der Umweltbelastung und Sicherstellung der menschlichen Gesundheit. Mit unserer erfolgreichen Abfallwirtschaft haben wir es geschafft, unsere CO2-Emissionen aus heimischen Altablagerungen von 3,4 Millionen Tonnen im Jahr 1990 auf 0,7 Millionen Tonnen zu senken – und das ist eine beeindruckende Bilanz. Außerdem verfügt die österreichische Abfallwirtschaft über international gefragtes Know-how in der Umwelttechnik, das weltweit zum Einsatz kommt und damit auch wertvolle Arbeitsplätze, sogenannte green jobs, sichert.
BLL: Die österreichische Bevölkerung ist sehr fleißig beim Mülltrennen. Wie sieht es bei den Firmen aus?
Berlakovich: Das stimmt, die Österreicher liegen bei der Mülltrennung im Spitzenfeld. Aber nicht nur Privatpersonen tragen Verantwortung für produzierten Abfall, sondern auch die Unternehmen. Ich bin stolz auf das innovative Umweltmanagement in österreichischen Betrieben. Systematisches Umweltmanagement zahlt sich für die Umwelt, das Klima und die Unternehmen aus, denn ein modernes, kundenorientiertes Dienstleistungsunternehmen bleibt ohne ein engagiertes, nachhaltiges Wirtschaften heute nicht mehr wettbewerbsfähig. Seit 1993 bietet das europäische Umweltmanagement ein freiwilliges Instrument für eine nachhaltige Entwicklung in der Wirtschaft und in der Verwaltung. Seither hat sich das Umweltmanagementsystem EMAS durchgesetzt und gehört heute zum Standard für innovative, engagierte Unternehmen. Österreich liegt mit EMAS-Unternehmen weiterhin an der EU-Spitze, betrachtet man die Zahl der Registrierungen bezogen auf die Einwohnerzahl.
BLL: Können die Österreicherinnen und Österreicher noch mehr zum Thema Abfall beitragen?
Berlakovich: Ja, gewiss. Beispielsweise gibt jeder in Österreich pro Jahr 387 Euro unnötig für Lebensmittel aus. Die Nahrungsmittel verderben vor dem Verzehr und landen ungeöffnet im Müll. Die Devise lautet: bewusst und sensibel Einkaufen.
Viele Menschen kaufen Lebensmittel auf Vorrat und verwenden diese nicht vor dem empfohlenen Ablaufdatum und werfen sie schließlich in den Abfall. Es ist sehr schade, dass kostbare Lebensmittel achtlos weggeworfen werden. Bis zu 40 Kilogramm vermeidbare Lebensmittelabfälle im Bereich der Haushalte landen pro Person und Jahr im Müll. Der Anteil biogener Abfälle im Restmüll beträgt 37 Prozent, der Großteil davon stammt aus dem Bereich Ernährung. Ganze sechs bis zwölf Prozent des Restmülls sind originale und angebrochene Lebensmittel. Österreichweit entspricht das pro Jahr zwischen 83.000 und 166.000 Tonnen – so viel wird insgesamt in Innsbruck oder Graz verbraucht.
BLL: Wie kann man hier am besten etwas ändern?
Berlakovich: Ein erster Schritt könnte sein, den Supermarkt-Lockangeboten für den Kauf von Großmengen zu widerstehen. Wenn Konsumentinnen und Konsumenten auf hochwertige Lebensmittel aus Österreich setzen, unterstützen sie damit auch die heimische Landwirtschaft und den Klimaschutz. Auch eine richtige Einkaufsliste kann beim Müllvermeiden helfen. Vor dem Supermarktbesuch sollte man unbedingt kontrollieren, was wirklich gebraucht wird. Die richtige Lagerung von Lebensmittel ist ebenso wichtig, um frühzeitiges Verderben zu vermeiden. Müssen Lebensmittel entsorgt werden, gehören sie unverpackt in die Biotonne. Jeder kann etwas beitragen. Letztendlich übernehmen wir alle durch einen umweltorientierten Umgang mit Abfall die Verantwortung für zukünftige Generationen.
Danke für das Gespräch.








