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Samstag, 21. Oktober 2017
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Sloweniens Tourismusdirektor in Wien

JAN Foto Sloweniens Tourismusdirektor in WienBLL: Herr Ciglenecki Sie sind der Direktor der Slowenischen Tourismusstelle in Wien. Wie geht es dem Tourismus in Slowenien? Wie hat sich Slowenien in den letzten Jahren aus touristischer Sicht entwickelt? Wie wird Slowenien von den Österreichern angenommen?

Herr Ciglenecki: Die Entwicklung zeigt einen steten Aufwärtstrend: Vor zwanzig Jahren konnten wir 80 000 österreichische Gäste registrieren. 2012 waren es 240 000! Insgesamt wurden 695. 000 Nächtigungen realisiert. Das ist das beste Resultat, das wir jemals erzielt haben. Für das laufende Jahr rechnen wir mit einer Erhöhung von 1-2 Prozent.

Gäste aus Österreich, das kann man ohne Übertreibung sagen, fühlen sich in Slowenien wohl. Sechshundert Jahre gemeinsame Geschichte, ein gemeinsames kulturelles Erbe, das sowohl Erzherzog Johann als auch die Lipizzaner mit einbezieht, verbinden uns. Viele Slowenen sprechen deutsch, und der Besuch „beim Nachbarn” ist fast schon schon so was wie ein Familienausflug.

BLL: Was können unsere Leser von der Wiener Tourismusstelle erwarten, welche Informationen, welche Angebote und Hilfestellungen. Was sind die Aufgaben des Büros?

Herr Ciglenecki: In erster Linie bieten wir Beratung für den Urlaub in Slowenien an. Wir beantworten Anfragen und stellen Informationsmaterial – Prospekte, Karten, Internet-Links – zur Verfügung. Zu unserer Aufgaben gehört auch das klassische Marketing sowie PR und Verkaufsförderung. Wir sind auf allen einschlägigen Messen präsent und arbeiten eng mit den österreichischen Reisebüros zusammen. Denn 40% der Gäste aus Österreich buchen ihren Slowenien-Aufenthalt über Reisebüros.

BLL: Welche Schwerpunkte, Sonderaktionen und Ziele von Slowenischen Destinationen sind derzeit aktuell und welche sind für das nächste Jahr geplant?

Herr Ciglenecki: Nächstes Jahr wird europaweit des 1. Weltkrieges gedacht. In Slowenien, im oberen Sočatal verlief, wie wir wissen, die Isonzofront. Dort hat die Stiftung „Weg des Friedens” mit Freilichtmuseen und Gedenktafeln einen Parcours angelegt, der die Geschehnisse von damals dokumentiert und zugleich zu den landschaftlich schönsten Plätzen im Sočatal führt.

A propos Soča. Es gibt nicht nur diesen einen wildromantischen Fluss in Slowenien. Auch entlang der Krka, der Save oder der Kolpa locken zahlreiche Freizeitangebote wie Baden, Fischen, Kajakfahren und Rafting.

Zum Baden und Schwimmen eignen sich das ganze Jahr über die warmen Thermalquellen und im Sommer natürlich die Küstenorte Portorož, Piran und Izola, die schon in der k.u.k. Zeit bei Gästen aus Österreicher sehr beliebt waren. Auch die Ausflüge entlang der Weinstraßen – Jeruzalem, Maribor, Karst und Goriška Brda  – müssen erwähnt werden. Die sind zu jeder Jahreszeit aktuell.

BLL: Menschen über 50 gehören inzwischen zu den heißumkämpften Gästen der Touristiker, da sie Zeit und auch Geld haben. Welche Erfahrungen haben Sie mit Menschen über 50 als Reisende, als Kurgäste oder als Hotelgäste und gibt es in Slowenien spezielle Aktivitätenr Senioren?

Herr Ciglenecki: Die Generation 50+ schätzt Slowenien wegen der Nähe, der Gastfreundschaft und dem guten Preis-Leistungsverhältnis. Nicht zieht es viele auch wegen der Kulinarik und der tollen Weine nach Slowenien. Bei uns wird noch gekocht wie in Großmutters Zeiten und das erweckt Erinnerungen an Kindertage.

Der PVÖ wird übrigens sein Herbsttreffen 2014 in Kranjska Gora abhalten. Seniorenreisen haben hierfür Packages aufgelegt mit Ausflügen nach Ljubljana und Bled sowie Auftritten des Original Oberkrainer Quintett.

BLL: In den letzten Jahren hat sich das Urlaubsverhalten der Menschen geändert, einerseits hin zu kürzeren Urlauben, dafür öfters, andererseits sind die Urlauber und Reisende mehr an Themen wie Natur, Essen, Sportangeboten, Geschichte und Kultur interessiert. Was kann Slowenien da anbieten?

Herr Ciglenecki: Für einen klassischen Kuraufenthalt genauso wie für den „Urlaub zwischendurch” bieten die slowenischen Thermen und Heilbäder sich geradezu an. Die medizinischen Dienstleistungen sind auf sehr hohem Niveau, die Preise liegen jedoch deutlich unter jenen in Österreich.

Sloweniens Werbebotschaft „Grün, aktiv und gesund” ist weit mehr als nur ein Slogan. Mehr als die Hälfte des Landes ist von Wäldern bedeckt, nachhaltiges Wirtschaften wird in der Hotellerie und Gastronomie groß geschrieben. Die Wirte und Wirtinnen kochen vorwiegend mit regionalen Produkten und selbst bei Fisch und bei Meeresfrüchten kommt es – dank der kurzen Distanzen im Land – nie zu langen Transportwegen.

Wenn von Kultur die Rede ist, denkt man natürlich an Sloweniens Städte. Ljubljana, die quirlige Hauptstadt mit der beeindruckenden Jugendstilarchitektur. Maribor mit seiner schönen Lage am Fluß, das mittelalterliche Ptuj und das malerische Škofja Loka. Den ganzen Sommer stehen während der Festivalzeit hochkarätige Kulturveranstaltungen auf dem Programm. Klassik beim „Festival Ljubljana”, Ethno und Jazz beim „Festival Lent” in Maribor. Interessant ist auch das Festival alter Musik in Brežice. Dorthin zieht es Kunstsinnige wegen des Programms, aber auch wegen des außergewöhnlichen Rahmens: konzertiert wird ausschließlich in historischen Räumen und auf alten Instrumenten.

BLL: Was sind ihre beruflichen Zielsetzungen und welche privaten Ziele haben Sie für das Jahr 2014?

Herr Ciglenecki: Meine beruflichen Ziele bleiben gleich: die Highlights und die vielen Facetten Sloweniens den Gästen aus Österreich näher bringen. Privat wünsche ich mir noch viele gemeinsame Ferien mit meinem Enkel in Piran. Er ist jetzt 7 Jahre alt. Lange werde ich ihn wohl nicht mehr beim Badmington besiegen…

Danke für das Gespräch!

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