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Montag, 25. September 2017
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Matthias Strolz NEOs im Gespräch

Strolz Matthias Strolz NEOs im Gespräch

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Fünf Fragen zur Wahl 2013, was meint Matthias Strolz:

Frage 1: Was können Sie und ihre Partei den älteren Menschen und Senioren für die nächsten 5 Jahre versprechen?

Grundsätzlich stehen wir NEOS für eine neue Politik und lehnen Wahlzuckerl und leere Versprechungen im Vorfeld von Wahlen ab. Grundsätzlich bedeutet nachhaltige Politik für uns aber auch Generationengerechtigkeit. Wir brauchen daher einen echten Generationenvertrag, den ja bisher niemand unterschrieben hat. Das bedeutet, dass wir Älteren solidarisch mit uns nachfolgenden Generationen sein müssen, dass wir ihnen nicht nur eine intakte Umwelt hinterlassen, sondern auch intakte, finanzierbare Systeme (Pension, Gesundheit etc.). Darüber hinaus dürfen wir uns nachfolgenden Generationen auch keinen Schuldenrucksack hinterlassen, unter dessen Last sie zusammenbrechen werden. Umgekehrt verlangen aber auch wir Älteren faire und berechenbare Rahmenbedingungen, um im Alter nicht in die Armutsfalle zu tappen.

Frage 2: Soll es in den nächsten fünf Jahren bei Männern und Frauen beim derzeitigen Pensionsantrittsalter bleiben oder soll dieses angehoben werden?

Unsere Forderung, das Frauenpensionsalter an das der Männer anzugleichen, muss man mit einigen anderen Forderungen von NEOS gemeinsam sehen. Unser Vorschlag lautet, das Frauenpensionsalter beginnend ab 2014 bis zum Jahr 2020 auf 65 anzuheben. Zu dieser Vorgangsweise wird uns nicht nur bald ein EUGH-Urteil zwingen (Verletzung der Gleichbehandlung), sondern wir finden es den Frauen gegenüber auch fair. Eine Frau – nehmen wir an, eine Akademikerin, die mit 25 Jahren zu arbeiten beginnt – hätte mit der derzeitigen Regelung (Pensionsalter 60) niemals die Chance auf eine gleich hohe Pension zu kommen wie ein Mann, der fünf Jahre mehr arbeiten darf. Natürlich sehen wir in der Realität auch die Doppelbelastung der Frauen durch Kindererziehung. Daher fordern wir auch, dass während der erwerbsarbeitsfreien Zeit der Kindererziehung ein gewisser Teil der Pensionskontogutschrift des (arbeitenden) Mannes verpflichtend dem Pensionskonto der Frau gutgeschrieben wird. Das funktioniert natürlich auch umgekehrt. Hält die Partnerschaft, fließen die beiden Pensionen ohnehin wieder zusammen (bei einer günstigeren Besteuerung). Geht die Partnerschaft in Brüche, wurde die Frau – zumindest für die Pension – entsprechend entlohnt.

Dazu schlagen wir auch ein Stufen – bzw. Fleximodell vor, wonach jede und jeder den Pensionsantritt ab 60 Jahren selbst bestimmen kann, sodass Frauen weiterhin entsprechend früher gehen können und durch die Gutschriften des Partners auch mehr Pension erhalten.

Frage 3: Sollen die Pensionen wieder an die Inflation angepasst oder wird es weitere Kürzungen geben? Was können Sie diesen Menschen versprechen?

Wir begrüßen die Einführung eines speziellen Pensionsindex. Zeitlich befristete Kürzungen und das Einfrieren der Pensionen fordern wir lediglich für sogenannte Superpensionen (über 5.000 Euro monatlich) als Solidarbeitrag.

Frage 4: Die Arbeitslosigkeit der Gruppe über 50 ist sprunghaft angestiegen, viele Betriebe kündigen ihre älteren Dienstnehmer, was gedenken Sie dagegen zu tun? Welche Vorschläge haben Sie?

Arbeitslosigkeit bekämpft man mit guter Wirtschaftspolitik. Dazu haben wir NEOS in unseren „Plänen für ein Neues Österreich“ ein detailliertes Maßnahmenpaket erarbeitet. Darüber hinaus sehen wir aber zwei weitere Hebel: Wir müssen die menschliche Arbeit wieder günstiger machen. Unsere Steuer- und Abgabenquote ist zu hoch. Hier müssen wir umgehend von über 44% (im Schnitt) auf unter 40% kommen. Das würde nicht zuletzt älteren Arbeitnehmer_innen helfen. Zudem wird durch unser Flexi-Modell ein Hinübergleiten in die Pension durch Reduktion der Arbeitszeit und teilweise Inanspruchnahme der Pension ermöglicht. Auch damit wird die Arbeitskraft älterer Dienstnehmer_innen für Unternehmen zusätzlich attraktiver. Erfahrene Mitarbeiter_innen bleiben zumindest Teilzeit an Bord, schule Junge ein und begegnen auch wirksam dem sogenannten Pensionsschock. Das ist sowohl gut für ältere und jüngere Arbeitnehmer_innen als auch für die Unternehmen.

Frage 5: Das Wohnen ist für viele ältere Menschen fast nicht mehr leistbar, da die Mieten immer teurer werden. Ein nötiger Wohnungswechsel stellt viele ältere Menschen und vor allem Pensionisten und Pensionistinnen mit kleinen Pensionen angesichts der derzeitigen Mieten vor unlösbare Probleme. Was können Sie diesen Menschen versprechen?

Dass die Preise für Wohnen (Mieten und Gebühren) seit Jahren stärker steigen als die Erwerbseinkommen und die Pensionen ist ein allgemeines Problem. Einerseits muss der Wohnungsmarkt stimuliert werden, angebotsseitig nachzulegen, was das Preisniveau am Markt stabilisiert. Dafür gibt es smarte Modelle. Zum zweiten müssen wir die rechtliche Zersplitterung der Mietpreisfindung beenden, um das Horten leer stehender Wohnungen zu beenden. Auch das tut dem Markt und den Preisen gut. Und letztlich müssen wir durch Entlastung der Erwerbseinkommen von Steuern und Abgaben dafür sorgen, dass den Menschen mehr Geld zum Wohnen und zur Vorsorge bleibt. Mit unserem Modell eines bedarfsorientierten Bürger_innengeldes würden wir dem Problem noch grundsätzlicher begegnen.

Danke für das Gespräch.

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