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Dienstag, 24. Oktober 2017
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Monica Culen im Interview

2010MC 11 2010 11 Monica Culen im Interview

Monica Culen, Gründerin und Präsidentin ROTE NASEN

Gründerin und Präsidentin ROTE NASEN bei uns zu Gast.

BLL: Seit wann gibt es Rote Nasen Clowndoctors und wer hatte die Idee und ist die Gründerin?

Culen: ROTE NASEN gibt es in Österreich seit 1994 und wurde von mir gemeinsam mit Giora Seeliger, unserem künstlerischen Leiter gegründet. Ich selbst hatte schon 1990 begonnen die ersten Clownprogramme in Österreich, Belgien und Niederlande einzuführen.

BLL: Können Sie unseren Lesern die Idee und die Aktivitäten etwas näher vorstellen.

Culen: Eine fremde Umgebung, Angst vor einer Operation oder unangenehmen Untersuchungen, lange Tage im Krankenhaus: das verängstigt Kinder aber auch viele Erwachsene. Genau da setzt die Arbeit von ROTE NASEN Clowndoctors an, wenn sie kranke Kinder und leidende Menschen im Spital besuchen.

Mit Lachen, Liedern, Zaubertricks oder einfach nur mit einfühlsamer Zuwendung bringen ROTE NASEN in solchen Situationen Momente des Glücks und neue Leichtigkeit. Sie sind keine ÄrztInnen, sondern speziell ausgebildete KünstlerInnen. Sie improvisieren anstatt zu operieren. Sie verschreiben keine Medikamente, ihre Medizin ist der Humor. Angst und Schmerzen sind dann oft schnell vergessen, und zurück bleiben funkelnde Augen und strahlende Gesichter.

ROTE NASEN Clowndoctors wurde 1994 in Österreich gegründet – 65 Clowns haben 2012 in Wien, Niederösterreich, dem Burgenland, Kärnten, der Steiermark, und in Tirol in 41 Spitälern (144 Stationen, 24 Ambulanzen) bei ca. 2.400 Clowneinsätzen rund 121.100 „humorbedürftige“, kranke Kinder, Erwachsene und SeniorInnen besucht. Außerdem wurde ein neues ROTE NASEN Programm für Kinder und Jugendliche mit mental und mehrfachen Behinderungen gestartet. Das Karawanen Orchester war insgesamt mit 81 Vorstellungen in sonder- und heilpädagogischen Einrichtungen in Wien, Niederösterreich, Burgenland und in der Steiermark unterwegs.

ROTE NASEN: Österreichische Wurzeln, weltweite Nachfrage, ROTE NASEN Clowndoctors ist international aktiv. Seit 2003 wurden von Österreich aus weitere ROTE NASEN Organisationen in Deutschland, Ungarn, Slowenien, der Tschechischen Republik, der Slowakei, Kroatien, Polen, Palästina und Neuseeland erfolgreich aufgebaut. Im Jahr 2012 besuchten über 300 Clowns in 10 Ländern mehr als 545.000 kleine und große PatientInnen in über 200 Spitälern.Die ROTE NASEN Gruppe ist damit operativ die weltweit größte Vereinigung von Spitalclownorganisationen.

BLL: Warum hatten Sie die Idee?

Culen: Ich war selbst als Kind sehr viel im Spital und kenne die Schmerzen und Ängste der kleinen Patienten – das war mein Hauptmotiv.

BLL: Ihr Verein arbeitet nicht nur in Österreich, in welchen Ländern setzen Sie Aktivitäten und welche?

Culen: Wir haben bereits 1996 begonnen ein Clownprogramm in Ungarn aufzubauen. Mit diesem Projekt, in dem ich jahrelang auch selbst die Geschäftsleitung machen musste, konnten wir wertvolle Erfahrungen sammeln, was es heißt, in einem anderen Land eine solide und professionelle Organisation aufzubauen und langfristig zu etablieren.

Inzwischen gibt es ROTE NASEN Organisationen nicht nur in Österreich und Ungarn, sondern auch in Deutschland, Tschechien, Slowakei, Slowenien, Ungarn, Kroatien, Neuseeland, Palästina und seit diesem Jahr auch in Polen und bald auch in Litauen. Wir bauen jede Organisation sehr sorgfältig und nachhaltig auf. Zuerst gründen wir eine rechtskonforme Non-Profit Organisation mit zuverlässigen Vorstandspersönlichkeiten und den entsprechenden Kontrollmechanismen. Wir nehmen Kontakt mit den wichtigsten Krankenhäusern auf um das Programm dort vorzubereiten. Wir laden Künstler zu Auditions ein, suchen die talentiertesten und geeignetsten Kandidaten aus, die dann im ROTE NASEN Ausbildungszentrum vielseitig geschult und vorbereitet werden. Dann gibt es in den Krankenhäusern eine 3 monatige Einführungsperiode, bevor das Programm offiziell eröffnet wird.

BLL: Wer engagiert sich bei den Roten Nasen und wie kann man mitmachen?

Culen: Die Clowns sind professionelle darstellende Künstler, die von uns für diese Arbeit vorbereitet werden und sie als Beruf regelmäßig durchführen. Auch das Organisationsteam sind engagierte angestellte Mitarbeiter.

Der Vorstand und die verschiedenen Komitees setzen sich natürlich ehrenamtlich für uns ein. Darüber hinaus gibt es mehrere Teams von ehrenamtlichen Mitarbeitern, die an speziellen Projekten arbeiten, wie z. B. unsere Schulprogramme, unser ROTE NASEN Lauf oder Benefizveranstaltungen.

BLL: Der Verein lebt vermutlich hauptsächlich von Spenden, wie kann man mitmachen und spenden?

Culen: Da gibt es natürlich verschiedene Möglichkeiten für die wir sehr dankbar sind:

- Zu aller erst natürlich einfaches Spenden, wobei uns ein Dauerauftrag am besten hilft, längerfristig zu planen.

- Veranstaltung von Benefizaktionen oder Sammlungen

- Produktkooperationen mit Unternehmen

- Sachspenden für Büroausstattung, Fahrzeuge, Requisiten oder Dienstleistungen

- Mitarbeiter- oder Freundesaktionen

- Übernahme von Gehaltskosten

- Medienkooperationen u. v. a. m.

- Online spenden https://www.sicherspenden.at/rotenasen

BLL: Können Sie unseren Lesern einige positive Beispiel erzählen, die Sie persönlich sehr berührt haben.

Culen:

- Ein schwerkranker Bub fragte seine Mutter: „Mama, gibt es im Himmel auch Clowns?“

- Kinder, die endlich nach Hause gehen dürfen, sitzen noch stundenlang auf ihrem Köfferchen im Gang um noch einmal die Clowns zu sehen, bevor sie das Krankenhaus verlassen.

- Alte Menschen in der Pflegestation, die traurig und verschlossen nicht mehr kommunizieren wollen, beginnen plötzlich Lieder aus ihrer Jugend zu singen

- In der Rehabilitations-Klinik  begeistern die Clowns einen Jugendlichen, dem das Bein amputiert werden musste, so sehr für eine gemeinsame Fußballpartie, dass er seinen Widerstand gegen eine Prothese aufgab und anfing zu trainieren.

In einer immer hektischer werdenden Zeit, in der oft wenig Platz für soziales Engagement Platz ist, stellt ihre Initiative eine Ausnahme dar.

BLL: Was sind die nächsten Ziele des Vereins Rote Nasen und welche persönliche Ziele haben Sie sich für 2013 gesetzt.

Culen: Unser wichtigstes Ziel ist es immer, die bestehenden Betreuungsprogramme in bester Qualität und zuverlässig in über 300 medizinischen Einrichtungen das ganze Jahr regelmäßig durchführen zu können. Und, dass es uns gelingt, die notwendige Finanzierung dafür immer auf die Beine zu stellen.

Darüber hinaus haben wir viele große Aufgaben, die wir in diesem Jahr bewältigen wollen.

- Erweiterung unseres Spezialprogramms für Kinder mit besonderen Bedürfnissen.

- Aufbau unserer neuen ROTE NASEN-Organisation in Polen und Litauen

- Weiterführung unserer Einsätze in Palästina (d. h. eine Finanzierung finden)

- Aufbau und Start eines Einsatz-Teams in internationalen Krisengebieten

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