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Dienstag, 17. Oktober 2017
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Die nördliche Grenze des Römischen Reiches

Wir besuchten die Limes-Straße in Deutschland, die rund 550 km lang ist und fanden interessante Details.

Der Obergermanisch-Raetische Limes, ist die ehemalige römische Grenzlinie zwischen Rhein und Donau, zur Zeit 2. Jh. N. Chr. der größten Ausdehnung des römischen Reiches. Der Limes ursprünglich nicht nur als reines Verteidigungsbollwerk errichtet, diente als eine Art Demarkationslinie, deren Geltungsbereich die römische Ordnung kennzeichnete.

Nach heutigem Wissensstand wurden im 1. Jh. n. Chr. zunächst Sichtschneisen durch Wälder und über Wiesen mit einem Weg zur Bewachung mit hölzernen Wachtürmen an markanten Stellen errichtet. Zu Beginn des 2. Jh. n. Chr. wurde durch den Bau eines vermutlich drei Meter hohen Palisanderzauns an der äußeren Linie erstmals eine geschlossene Grenze errichtet, wobei die Anlage für den Grenzverkehr offen blieb. So hatten die Römer jederzeit Kenntnis wer in ihr Reich wollte.

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In der Folgezeit ersetzten die Römer die in Sichtweise aufgestellten Holztürme durch Steintürme und schafften durch Herstellung eines etwa drei Meter tiefen Spritzgrabens ein weiteres Hindernis neben dem Palisadenzaun. Der Limes übernahm rund 180 Jahre lang erfolgreich die Funktion eines Grenzkontroll- und Überwachungssystems, bevor im dritten Jahrhundert n. Chr. durch politische, wirtschaftliche und militärische Krisen im Römischen Reich, die Grenzanlagen aufgegeben wurden. Die darauf folgenden germanischen Überfälle zwangen die Römer in den Jahren 259/60 n. Chr. zur Aufgabe und zum Rückzug aus diesem Gebieten.

Auf den Spuren des Kaisers Caracalla und der heutigen Überreste des Römischen Limes

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Begeben Sie sich mit uns auf eine kleine Reise zu den wichtigsten Limesstationen. Idealer Ausgangspunkt ist Aalen wo Sie im Limesmuseum Aalen, wo man einen guten Überblick über den Limes und deren Verlauf, über die damaligen römischen Herrscher und deren Lebens- und Sichtweise erhält.

Das Limesmuseum Aalen steht direkt auf dem Gelände des ehemals größten römischen Reiterkastells, wo vor rund 1.800 Jahren rund 1.000 Soldaten mit Pferden stationiert waren. Im Freigelände können Sie die monumentalen Überreste des Stabsgebäudes – das heute zum UNESCO Weltkulturerbe zählt – sehen. Das Limesmuseum Aalen ist das größte Limesmuseum und zeigt beeindruckende Originalfunde und bietet einen sehr guten Überblick in die Zeit der Römer. Zu sehen sind Nachbauten von Stallungen und Quartieren, sowie ein breites Spektrum an medialen Präsentationen die diese Zeit anschaulich darstellen.

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Man bekommt hier einen guten Einblick in die damalige Zeit, wie die Menschen, die Soldaten und ihre Frauen gelebt haben. Man kann sich einen guten Einblick in die römische Militärherrschaft und der kaiserlichen Propaganda, die Bewaffnung und Gliederung der Armee.

Eine große Anzahl an Fundstücken des damaligen Lebens – meist gefunden in aufgelassenen Brunnen der Umgebung, oder bei Straßenbauten – wie Schuhe, Bekleidungsstücke, Reste von Kaiserstatuen, kostbaren Bronzegeschirr, Weihesteinen mit Inschriften und Landgütern kann man hier sehen und sich eine Vorstellung vom damaligen Leben machen.

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Im Limesmuseum in Aalen werden über das Jahr viele Veranstaltungen mit Reitern und Soldaten in römischer Bekleidung und mit Bewaffnung nachgestellt und gezeigt. Auch viele Schulklassen werden eingeladen um ihnen die Geschichte etwas näher zu bringen. Mit etwas Glück bzw. mit geschickter Planung kann man diese Aufführungen (Thementage, Familienfeste udgl.) live vor Ort erleben. Zumindest 3-4 Stunden müssen Sie für den Besuch einplanen.

Limesmuseum Aalen St.-Johann-Straße 5  73430 Aalen

Tel: 07361 528287-0

Fax: 07361 528287-10

E-Mail: limesmuseum@aalen.de

Öffnungszeiten

Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr, auch an Feiertagen und am Wochenende.

Montag geschlossen, an Feiertagen auch montags geöffnet.

Unbedingt empfiehlt es sich in die rund 20 Minuten entfernten Ort Dalkingen (zwischen den Dörfern Schwabsberg und Dalkingen) zu fahren und den Ehrenbogen am Limes zu Ehren des Kaisers Marcus Aurelius Severus Antonius- genannt Caracalla – mit seiner Turmrekonstruktion zu besuchen.

Das Limestor das vermutlich zu Ehren von Kaiser Caracalla errichtet wurde

Das Limestor in Dalkingen zu Ehren nach dem siegreichen Feldzug gegen die Germanen im Jahr 213 n. Chr. durch Kaiser Caracalla errichtet, ist ein Zeugnis eines römischen Triumphalmonuments und zählt zu dessen eindrucksvollsten Ruinen. Heute schützt ein Glasquader das Limestor und ist somit auch bei Regen gut zugänglich. Seit 2005 gehört der unter Kaiser Caracalla zur Triumphpforte ausgebaute antike Grenzdurchgang ebenso wie die römischen gesamten Limesanlagen in Deutschland zum UNESCO-Weltkulturerbe.

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In der Antike dürfte das Tor schon von weitem sichtbar gewesen sein, da es auf einem Hügel errichtet wurde. Nördlich dieses einstigen Grenzübergangs führt heute der Wander- und Radweg vorbei, der dem Verlauf des Limes folgt. Die eigentliche Schaufassade des Torhauses befand sich im Süden, von dort kamen die Reisenden, die das Gebiet des Römischen Reiches verlassen wollten, um in den freien, unbesetzten Teil Germaniens (Germania magna) zu gelangen.

Das Römerkastell Saalburg – eine Zeitreise am Schauplatz der Antike

Weiter führt uns unsere Route von Aalen nach Bad Homburg, wo wir das Römerkastell Saalburg besichtigen. Die Fahrt mit dem Auto von Aalen nach Bad Homburg sind rund 270 km dauert rund 2,40 Stunden.

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Das Kastell Saalburg war in der Römerzeit für die Überwachung des Limesabschnittes im Taurus zuständig. Im Kastell Saalburg waren rund 600 Mann, Fußsoldaten und Reiter stationiert. Vor dem Haupttor der Wehranlage lag ein Römisches Badegebäude und ein externes Gästehaus. Das Badehaus dient der Gesundheit und zur Reinigung der Soldaten und war auch Treffpunkt. Ein Dorf mit Handwerkern, Händlern und Wirtshäusern war auch vor dem Kastell angesiedelt. Bis zu 2.000 Menschen dürften im Kastell und dem Dorf hier gelebt haben.

Nach dem Rückzug der Römer verfielen die Bauten allmählich und so dürften die Bürger selbst Steine als Baumaterial für ihre Häuser mit nach Hause nehmen. In vielen Häusern in der Umgebung finden sich somit historische Steine aus dem ehemaligen Kastell.

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Nach ersten archäologischen Untersuchungen Mitte des 19. Jh. wurde auf Initiative des Kaisers Wilhelm II. das Kastell von 1897 bis 1907 als Forschungsinstitut und Freilichtmuseum mit einer umfangreichen Sammlung aufgebaut.

Heute kann man sich im nachgestelltem Kastell einen sehr guten Überblick über die Lebensweise der Soldaten, die in Kleingruppen jeweils in Mannschaftsbaracken (Centuriae) mit Betten, Tisch und Kochstelle zu acht untergebracht waren, verschaffen. Diese Kleingruppen versorgten sich auch selbständig und erhielten pro Tag einen Kilogramm Weizen. Es gab keine militärische Gesamtversorgung. Dies hatte den Vorteil bei Angriffen konnte nicht der gesamte Warenvorrat geplündert werden, da diese Kleingruppen unabhängig waren. Alle diese Gebäude und Unterkünfte sind sehr gut nachgestellt und man fühlt sich beim Besuch in die Römerzeit zurückversetzt.

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Gleich nach dem Haupteingang befand sich das Praetorium – das Wohnhaus des Kommandanten, die Principia beeindruckt durch seine große Halle und den stimmungsvollen Innenhof, hier lagen früher die Amtsräume, die Schreibstuben und Waffenkammern. Die Fabricia waren die Werkstattgebäude.

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Unbedingt müssen Sie das Museumscafe (Taberna) besuchen wo es nachgeahmte römische Speisen und Weine aus der Küche der Römer gibt. Auch hier können Sie antike Einrichtungsgegenstände bewundern wie Herd, Anrichte oder Regale.

Beim Verlassen werfen Sie nochmals einen Blick Richtung Haupttor und plötzlich stehen Römische Soldaten vor Ihnen. Mit etwas Fantasie ist dies durchaus möglich.

Römerkastell Saalburg Archäologischer Park , Am Römerkastell 1

61350 Bad Homburg

Email: info@saalburgmuseum.de

Tel: 0049(0)6175/9374-0

Kontakt: Gerd Hermann

Unsere nächste Station ist der Römerturm in Idstein und dann das Kleinkastell in Pohl

Die Fahrt mit dem Auto von Bad Homburg (Saalburg) dauert rund 45 Minuten und nach einigem Suchen hat man nach der Ortsausfahrt von Idstein mitten im Feld den Römerturm Idstein-Daschbach gefunden.

Die Grenze des damaligen römischen Reichs zum freien Germanien wurde durch mehr als 900 Türme überwacht, die in der Entstehungsphase etwa ab 80 n. Chr. in Holzbauweise errichtet wurden. Es folgten Steintürme, die ab 150 n. Chr. verputzt wurden. Durch Ausgrabungen bekannt, trug der weiße Verputz oft eingerissene Fugen, die in Terrakotta ausgemalt waren. Dadurch entstand der Eindruck eines imposanten Quadermauerwerks.

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Der authentische Nachbau eines römischen Wachturms wurde im Jahr 2002 fertig gestellt. Planung und Bauausführung erfolgte mit wissenschaftlicher Beratung des Saalburg-Museums von Bedeutung. Man genießt vom Rundgang ganz oben einen herrlichen Überblick in alle Richtungen und kann sich vorstellen wie die Römer bereits von weitem herannahende Menschen beobachten konnten.

Nach kurzer Weiterfahrt trifft man im Kleinkastell Pohl. Das Kleinkastell Pohl befand sich an einem exponierten Punkt des Limes, an dem dieser seine bis hierher verlaufende Richtung abrupt um rund 75 Winkelgrade änderte, um seinen Weg anschließend in südöstliche Richtung fortzusetzen. Schon dem Archäologen und Offizier Karl August von Cohausen war diese militärisch bedeutsame Position aufgefallen. Hier stieß auch noch eine – vom Rheintal im Westen her kommende – Straße auf eine alte Fernverbindung, die vom unteren Lahntal zum Taunus führte.

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Die Sicherung dieses verkehrsgeographisch bedeutsamen Punktes, des sich dadurch ergebenden Limesübergangs und des sich durch die Verlaufsänderung der Grenze bildenden „Geländekeils“ oblag der Besatzung der kleinen Garnison.

Die von der Reichs-Limeskommission, in den Jahren 1897 bis 1900 unter der Leitung von Robert Bodewig und 1903 unter Ernst Fabricius, der das Kastell letztendlich entdeckte, durchgeführten archäologischen Ausgrabungen führten zu unbefriedigenden Erkenntnissen. Demnach handelte es sich bei der kleinen Fortifikation von Pohl um ein rechteckiges Holz-Erde-Bauwerk mit den Seitenlängen von rund 43  mal 34 m. Die Umwehrung bestand aus einem mit Palisaden besetzten Erdwall, der mit Rasensoden befestigt war. Auf der Krone des Walls, hinter der Palisade, befand sich ein schmaler Wehrgang. Als Annäherungshindernis diente ein einfacher, bis zu 2,35 m tiefer Spitzgraben.

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Die Innenbebauung war vermutlich in Holzbauweise ausgeführt. Wahrscheinlich handelte es sich um eine U-förmige Anlage, bei der sich an ein hinteres, zum Vordertor ausgerichtetes, repräsentatives Hauptgebäude (Stabsgebäude, Kommandantenwohnung) seitlich zwei Mannschaftsbaracken anschlossen. Die Besatzung des Lagers bestand aus einer namentlich nicht bekannten Vexillatio, der hierhin abkommandierten Einheit einer größeren Auxiliartruppe oder Legion.

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Auch hier in Pohl erhält man einen guten Einblick in die damalige Lebenszeit. Ausklingen lassen wir unsere interessante Tour zu den wesentlichen Limesstätten in der Taverne des Kleinkastells in Pohl und plaudern mit der Frau des Bürgermeisters die die Kantine betreibt und vorzüglich kocht und Frank Thielmann dem Museumsführer, über die Zeit der Römer und erfahren noch allerhand.

Wenn Sie schon immer etwas mehr über das Römische Reich, den Limes und die Lebensweise der damaligen Zeit wissen wollten, die Reise eignet sich dazu bestens und ist in gut drei tagen zu absolvieren.

Informieren Sie sich hier:

Deutsche Zentrale für Tourismus e.V. (DZT)

www.germany.travel

Hier finden Sie noch weitere nützliche Informationen wie die Limes App für Ihr Mobiltelefon, oder Informationen für Radbegeisterte:

Limes App http://limes.per-rlp.de/limes-app-2/

Limes Radweg http://www.limesstrasse.de/deutsche-limes-strasse/radweg/

Verein Deutsche Limesstraße http://www.limesstrasse.de/deutsche-limes-strasse/ueber-uns/deutsche-limes-strasse-ev/

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