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Donnerstag, 23. November 2017
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Größter Risikofaktor ist der Skifahrer selbst

5. Sicherheitsgipfel1 Größter Risikofaktor ist der Skifahrer selbst

V.l.n.r.: Dr. Josef Peterleithner, Dr. Othmar Thann, Dr. Martin Sturzlbaum, Thomas Reisenzahn, Abg. zum NR Franz Hörl und Reinhard Kraxner. © Europäische Reiseversicherung

Beim 5. Reise-Sicherheitsgipfel der Europäischen Reiseversicherung stand die Sicherheit des Winterurlaubes in Österreich zur Diskussion.

Skifahren ist kein Risikosport und die Piste kein „Schlachtfeld“, wie dies gelegentlich in den Medien dargestellt wird. Die Zahl der Unfälle ist hoch, gemessen am stetigen Wachstum der zurückgelegten Pistenkilometer ist sie aber sogar rückläufig.

Defizite gibt es allerdings bei der Eigenverantwortung der Skifahrer: Sie sind vielfach nicht in der Lage, das Risiko, das mit jedem Outdoor-Sport verbunden ist, zu erkennen, richtig einzuschätzen und ihr Verhalten entsprechend anzupassen.

Das ist im Wesentlichen das Ergebnis des  „Reise-Sicherheitsgipfels 2012“, den die Europäische Reiseversicherung zum 5. Mal veranstaltete.

Die statistische Basis legte Dr. Othmar Thann, Geschäftsführer des Kuratoriums für Verkehrssicherheit, das auch die gesamten Freizeitunfälle analysiert. Die Zahl der Wintersportunfälle, die einen Krankenhausaufenthalt zur Folge haben, ist seit Jahren im Wesentlichen stabil bis leicht rückläufig. Nach rund 72.000 im Jahr 2009 und 69.300 im Jahr 2010 waren es 2011/12 68.100. Davon entfallen 43.600 auf Skifahrer und 11.600 auf Snowboarder. Bemerkenswert ist, dass immerhin 4.000 Rodler im Krankenhaus landeten – eine Sportart, von der jeder glaubt, dass er das sowieso kann und dann nach der ersten Kurve an einem Baum landet.

Dies zeigt deutlich die Hauptursachen für Wintersportunfälle:

Mangelndes Training, falsche Risikoeinschätzung und Überschätzung des eigenen Könnens. Eine Untersuchung hat gezeigt, dass 93 Prozent der Befragten glauben, an einem Unfall nicht selbst die Schuld zu tragen. Tatsächlich sind aber 87 Prozent „Alleinunfälle“, die gefürchteten Kollisionen mit anderen Skifahrern spielen nur eine geringe Rolle.

Mit der Natur auf Kriegsfuß

Die gesellschaftliche Entwicklung habe dazu geführt, dass die Menschen verlernt haben, sich in der Natur zu bewegen, ja geradezu auf Kriegsfuß mit ihr stehen. Sie müssen lernen, das Risiko überhaupt zu erkennen und sich entsprechend zu verhalten.

Skifahren ist kein Risikosport

„Es ist uns gelungen, den Wintersport sicher zu machen“, erklärte Abg.z.NR Franz Hörl, Obmann des Fachverbandes der Seilbahnen in der Wirtschaftskammer Österreich. Von den über 500 Mio. Euro, die von der Seilbahnwirtschaft alleine im heurigen Betriebsjahr investiert wurden, entfallen fast 300 auf den Bereich Sicherheit und Komfort. Zahlreiche Initiativen zur Unfallprävention haben eine Verstärkung der Eigenverantwortung auf der Piste zum Ziel. Dazu gehören Sicherheitsbroschüren und -filme, Aufklärungsarbeit an den Schulen oder Online-Gewinnspiele zum Thema Sicherheit. Seit 2000 läuft die Aktion „Safer Snow – More Fun“, die über Gefahren und Risiken auf der Piste informiert.

Für den erreichten hohen Sicherheitsstandard hatte Hörl ein paar spektakuläre Vergleiche parat: Die Seilbahnen befördern in der Wintersaison an die 600 Mio. Personen. Auf 1,85 Mio. Beförderungen entfällt ein Liftunfall. Ein Skifahrer müsste demnach 12.000 Jahre Skifahren, um einen Liftunfall zu erleben. „Es ist nicht zu verstehen, warum der alpine Skisport so häufig als gefährliche Risikosportart dargestellt wird“, meinte Hörl.

Hier für alle die die FIS Pistenregeln nicht kennen.

4.000 Hubschrauber-Rettungen

Einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit leisten Rettungshubschrauber. Wie Reinhard Kraxner, Geschäftsführer des Christophorus Flugrettungsvereines berichtete, stehen 22 Hubschrauber ganzjährig zur „Grundversorgung“ zur Verfügung, im Winter zusätzlich zehn. Sie befördern zwischen 3.500 und 4.000 verunfallte Skifahrer von der Piste ins Krankenhaus. Finanzierungsprobleme, die vor drei Jahren ein politisches Thema waren, sind inzwischen durch neue Verträge gelöst, eine österreichweite Versorgung ist sichergestellt. Hubschrauberbergung erfolgt nur in medizinisch notwendigen Fällen und ist nicht billig: Je nach Flugzeit liegen die Kosten zwischen 1.500 und 7.000 Euro. Da Bergekosten von der Sozialversicherung nicht gedeckt werden, ist es ratsam, dafür eine private Versicherung abzuschließen. Bei 90 Prozent der Transporte ist das der Fall.

Hotellerie informiert ihre Gäste

Dass die Hotellerie bemüht ist, ihrer Informationsaufgabe nachzukommen, unterstrich Thomas Reisenzahn, Generalsekretär der Österreichischen Hoteliervereinigung. Er verwies aber auch auf die Problematik der materiellen Absicherung: Fünf bis sechs Prozent der Buchungen müssen storniert werden, Schnee- und Straßenverhältnisse können die Anreise und die Abreise behindern oder verzögern. Das verursacht beachtliche Kosten und bringt Stress für den Hotelier und den Gast. Auch die Sicherung der teuren Skiausrüstung ist ein Thema: Im abgesperrten Raum haftet der Hotelier, werden die Skier in einem Ständer im Freien abgestellt trägt der Besitzer selbst das Diebstahlsrisiko. Die Hotellerie ist daher sehr daran interessiert, dass die Gäste für alle diese Risiken eine Versicherung abschließen.

Reiseveranstalter bieten Rechtssicherheit

Das Winterangebot nimmt auch in den Programmen der Reiseveranstalter immer breiteren Raum ein und damit gewinnt auch das Thema Sicherheit beim Wintersport für sie an Bedeutung. Dr. Josef Peterleithner, Präsident des Österreichischen Reisebüroverbandes und Konzernsprecher der TUI-Holding, verwies darauf, dass der Trend der Hotellerie zu einer verstärkten Zusammenarbeit mit Reiseveranstaltern auch in der damit verbundenen größeren Rechtssicherheit eine Ursache hat: Der Veranstalter trägt für Vieles die Haftung und bemüht sich daher auch darum, dass die Gäste ausreichend informiert und abgesichert sind. Er werde sich darum bemühen, dass die wichtigsten Verhaltensregeln für den Wintersport in die Kataloge der Reiseveranstalter aufgenommen werden, die als Informationsquelle eine große Rolle spielen.

Dass die materiellen Auswirkungen von Schadensfällen im Winterurlaub bzw. beim Wintersport mit relativ geringem Aufwand beherrschbar sind, erläuterte der Vorstandsvorsitzende der Europäischen Reiseversicherung Dr. Martin Sturzlbaum. Auch wenn die Zahl der Wintersportunfälle einen positiven Trend zeigt, ist sie doch so groß, dass eine entsprechende Vorsorge empfehlenswert ist. Stornokosten, Mehraufwand für verspäteten Antritt des Aufenthaltes oder früheren Abbruch, Bergungs- und Transportkosten, auch mit dem Hubschrauber nach einem Unfall  oder Erstversorgung in einem Privatspital sind durch ein spezielles Versicherungspaket der Europäischen Reiseversicherung abdeckbar. Es wird bereits von mehr als 3.500 Hotels ihren Gästen bei der Buchung angeboten. „Das ersetzt zwar nicht Eigenverantwortung und Hausverstand, sorgt aber dafür, dass der Schaden nicht auch noch finanzielle Auswirkungen hat“, sagte Sturzlbaum.

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