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Samstag, 23. September 2017
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Gesellschaftlicher Druck zwingt zu fairem Verhalten

 Gesellschaftlicher Druck zwingt zu fairem Verhalten

Foto: aboutpixel.de/Hans-Jörg Nisch

Wissen über Konsequenzen ist ausschlaggebend.

Faires Verhalten hängt oft davon ab, ob Informationen über die Konsequenzen für Andere ausgeblendet werden können oder nicht. Das behaupten Forscher des Max-Planck-Insituts. Astrid Matthey und Tobias Regner haben in einem Laborexperiment danach geforscht, unter welchen Bedingungen Menschen zu fairem Verhalten bereit sind. Ihr Ergebnis: Nach Ansicht der Forscher lassen die Ergebnisse Rückschlüsse darauf zu, wie sich beispielsweise fair gehandelte Produkte besser vermarkten lassen. “Bei fair gehandelten Produkten zahle ich mehr und kann davon ausgehen, dass der Bauer auch mehr bekommt”, sagt Matthey im Gespräch.

Die Forscher ließen 90 Probanden in jeweils vier Runden Geldbeträge zwischen sich und anonymen Mitspielern aufteilen. Dabei erhielten die Probanden in einigen Durchgängen genaue Informationen darüber, wie sich ihre Entscheidungen auf die Auszahlungen an ihre unbekannten Mitspieler auswirken würden. In anderen Durchgängen konnten die Probanden selbst entscheiden, ob sie sich über die Konsequenzen ihrer Aufteilungsentscheidung für ihre Mitspieler informieren wollten, oder ob sie diese Informationen lieber ausblendeten.

“Wir fanden, dass es zwar Menschen gibt, die unter allen Bedingungen eigennützig oder fair agieren”, erläutert Regner. Viele Menschen bewegten sich in der Grauzone: Sie agieren fair, wenn ihnen die Konsequenzen ihres Handelns für andere klar sind. Bietet sich jedoch die Möglichkeit, diese Konsequenzen auszublenden, dann tun sie dies und handeln eigennützig.

Selbstbild entscheidend

Demnach treffen Menschen bevorzugt Entscheidungen gemäß ihrem Selbstbild. Halten sie sich etwa für “fair” oder “großzügig”, vermeiden sie Handlungen, die eindeutig egoistisch sind, um nicht in Widerspruch zum eigenen Selbstbild zu geraten. Ist es ihnen jedoch, wie im vorliegenden Experiment, möglich, Informationen zu den Konsequenzen für Dritte zu ignorieren, lässt sich ein positives Selbstbild auch bei egoistischem Verhalten leichter aufrechterhalten. “Wenn die Konsequenzen klar ersichtlich sind, entscheiden sich viele Teilnehmer für faires Verhalten”, sagt Matthey. Besteht jedoch die Möglichkeit, die Konsequenzen auszublenden, fällt eine “großzügige” Entscheidung deutlich schwerer, viele wechselten dann zu der egoistischen Alternative.

Politiker sollten bei diesen Ergebnissen aufhorchen

Denn nach Meinung der Wissenschaftler lassen sich diese direkt auf die Entwicklung von politischen Förderinstrumenten zum Beispiel von nachhaltigem Konsumverhalten anwenden. “Wir glauben, dass die Bereitstellung von Informationen von zentraler Bedeutung für das Verhalten der großen Gruppe variabel Entscheidender ist”, sagt Regner. Der Rat der Forscher: Würden beispielsweise die Bedingungen der Kaffee- oder Bekleidungsproduktion unübersehbar auf der jeweiligen Verpackung abgedruckt, würde es vielen Menschen schwerer fallen, sich für ein unfair gehandeltes, aber billigeres Produkt zu entscheiden. “Unter diesen Bedingungen würden wir einen höherer Absatz zum Beispiel von Produkten mit “Fairtrade”-Siegel erwarten”, sagt Matthey.

pte

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