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Mittwoch, 20. September 2017
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Interessante Entwicklung: Notruf-System erkennt Dringlichkeit an Stimme

1300723479i3154 Interessante Entwicklung: Notruf System erkennt Dringlichkeit an Stimme

Aufgerete Anruferin: Ist das wirklich dringend? (Foto: pixelio.de, Thorsten Freyer)

Software schließt aus Klang, ob Anrufer wirklich in Aufruhr ist

Niederländische Forscher haben ein System entwickelt, das anhand von Faktoren wie Sprechgeschwindigkeit und Tonhöhe beurteilt, ob ein Anrufer wirklich in großer Aufregung ist. Das soll helfen, die Arbeit von Notrufzentralen effektiver zu machen. Denn gerade bei Katastrophen wie einem Tsunami werden die Call Center von Rettungsdiensten mit Anrufen regelrecht geflutet. “Die wirklich dringenden Fälle sollten dann Priorität bekommen“, erklärt Léon Rothkrantz, Professor an der Netherlands Defense Academy und der Technischen Univsität Delft im Gespräch.

Hörbare Aufregung

Unser Ziel war es, ein Sprach-unabhängiges System zu schaffen“, sagt Rothkrantz. Das Team setzt darauf, dass Stress und negative Gefühle im Allgemeinen einen starken Einfluss auf Stimmcharakteristiken haben. Sie machen sich unter anderem in Tonfall, Tonhöhe und Sprechgeschwindigkeit sowie im Atemrhythmus bemerkbar. Das ermöglicht, echte Anspannung sowie Aufregung und somit dringliche Anrufe zu erkennen. Die Wissenschaftler haben also einen Algorithmus entwickelt, um den Klang von Anrufen entsprechend zu analysieren.

Wie das Team im International Journal of Intelligent Defence Support Systems berichtet, wurde der Algorithmus anhand einer Datenbank mit Aufnahmen echter Notrufe getestet. Die Forscher haben dabei vier verschiedene Ansätze genutzt, um den Stimmanalyse-Algorithmus zu trainieren. Die so erhaltenen vier Dringlichkeits-Sensoren wurden schließlich zu einem System kombiniert, das bei den Tests eine Fehlerrate von nur 4,2 Prozent erreicht hat. Mit weiteren Optimierungen und einem größeren Trainings-Datenbank ist es nach Ansicht der Forscher möglich, diesen Wert noch weiter zu verbessern.

Vielseitiges Potenzial

Rothkrantz zufolge sind weitere Tests mit größeren Anrufdatenbanken unbedingt erforderlich. Dafür sind Datenschutzbedenken ein potenzielles Hindernis. Dabei orten die Wissenschaftler großes Anwendungspotenzial nicht nur in zivilen Notrufzentralen, sondern auch im militärischen Bereich. Der Mathematiker verweist darauf, dass dort oft unter großem Stress schnelle Entscheidungen erforderlich sind – beispielsweise, wie auf ein Bombardement zu reagieren ist. Technisch ist angedacht, das System auch mit Spracherkennung zu kombinieren, um auch den Inhalt eines Anrufs als zusätzliches Kriterium für die Bewertung der Dringlichkeit heranzuziehen.

pte

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